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Im Miteinander Werte schöpfen

Ordnung schaffen – das ist die zentrale Sehnsucht, die unser Miteinander durchdringt, antreibt und für die wir in unseren Gesprächen mehr oder weniger bewusst eine Antwort suchen. Die Guten Gespräche greifen diese Sehnsucht gezielt auf und bringen sie zu einer Lösung. Dabei weist der Gesprächsprozess den Weg, der von den gestaltenden Gedanken in den einzelnen Prozessschritten gesäumt wird. Die Gedanken geben dem Gespräch Orientierung, Halt und Übersicht. Doch es ist darauf zu achten, dass die einzelnen Schritte auf dem Weg wirklich mit Leben gefüllt werden, dass das Beschreiten des Weges nicht zum Abhaken einer To-Do Liste verödet oder im Eilverfahren rein mechanisch absolviert wird. Einerseits braucht es dafür eine Ausrichtung für das Gespräch, ein Thema, einen Sinn, einen Zweck, den wir mit dem Gespräch verfolgen, der das Gespräch inhaltlich ausrichtet und zu dem wir ein Resultat erzielen wollen. Andererseits ist mit jedem der einzelnen Prozessschritte eine konkrete Zielsetzung verbunden, die uns dem übergeordneten Ziel – für die Situation eine Ordnung zu schaffen – ein Stück näherbringt. Die gestaltenden Gedanken erfüllen die einzelnen Schritte mit Leben, sie bestimmen das „Wie“, mit dem wir für die jeweils konkrete Aufgabe eine passende Antwort finden.

Mit den gestaltenden Gedanken sind Werte verknüpft, die unsere Gespräche beleben und erhellen können. Die Werte sind universell und lassen sich auf jede Situation spezifisch ausrichten und anwenden. Damit jedoch die Werte ihr Licht zeigen, haben wir sie in den jeweiligen Situationen zum Leuchten zu bringen. Dafür brauchen wir farbige, klare, konkrete innere Bilder von den Werten. Diese Bilder haben wir herauszuarbeiten, zu schärfen, zu feilen und zu polieren, bis sie in uns lebendig werden und anfangen zu strahlen. Mit unseren selbst entwickelten inneren Bildern können wir gezielt die Gesprächssituationen beleben und ausrichten. So bringen die Werte Licht ins Dunkel. Sie aktivieren die Lebenskräfte und verleihen uns Orientierung und Halt.

In dem Gesprächsprozess werden die verschiedenen Werte koordiniert und in ihrem Zusammenspiel zum Leben gebracht. Dabei sind die einzelnen Werte bei uns Menschen als Persönlichkeitseigenschaften individuell veranlagt und ausgeprägt. In den guten Gesprächen tauschen sich Personen mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften, Ansichten, Vorstellungen und Meinungen aus. Dabei sorgt eine gute Durchmischung für vielschichtige, farbige und stabile Ergebnisse. Im konstruktiven Miteinander wird ein für die Situation spezifischer, neuer Wert geschöpft, bis in das konkret Machbare herunter gebrochen und verwirklicht. Der Wert bringt das Gesprächsanliegen zu einer Lösung und schafft für die Situation eine neue Ordnung.

Somit haben wir in den guten Gesprächen zwei Arten von Werten. Die universellen Werte, abgeleitet von den gestaltenden Gedanken, geben den äußeren Rahmen vor. Sie bilden die Basis und bestimmen die Ordnung beim Gestalten der einzelnen Schritte. In dem Gesprächsprozess werden die universellen Werte so koordiniert und ausgerichtet, dass dabei ein neuer Wert entsteht. Der geschöpfte Wert richtet die konkrete Situation inhaltlich neu aus. Er behebt die ursprüngliche Unordnung in der Ausgangssituation und gibt ihr eine spezifische neue Ordnung. Dabei haben die Beteiligten das Resultat selbst in der Hand. Es wird getragen von dem Vertrauen, dass im Gesprächsverlauf in die Lösung entwickelt wird. Denn letztlich haben die Gesprächspartner das Resultat mit ihrem eigenen Gewissen zu vereinbaren, die Verantwortung für das Ergebnis zu übernehmen und die entstehenden Konsequenzen zu tragen.

Doch die geschöpften Werte entstehen nicht von selbst. Sie erfordern unseren Einsatz, unseren Einfallsreichtum, unseren Willen, unser Einfühlungsvermögen und unsere Ausdauer. Auf dem Weg treffen wir auf Hindernisse, auf Ängste, Zweifel und Widerstände. Der Vorgang erinnert an das Auslösen des Erzes aus dem Gestein. Dafür gibt es zwei grundverschiedene Ansätze. Die eine Methode besteht darin, das Gestein abzuschlagen, abzufeilen und abzuschmirgeln und dann weiter das Erz zu polieren. Bei der anderen Methode wird das Erz erhitzt, bis es flüssig wird und das gesamte Gestein als Schlacke abfällt.

Bei dem Feilen und Polieren stecken wir unsere Energie in das Gestein, in das, was wir überwinden, was wir loswerden möchten. Das Gestein ist die Grundlage unserer Tätigkeit. Wir richten unser Handeln nach dem aus, was wir gar nicht wollen und sorgen somit ständig selbst dafür, dass wir etwas zum Feilen haben. Wenn wir dagegen das Erz erhitzen, dann stecken wir unsere Energie in das, was uns wichtig ist. Schließlich zeigt das Erz seinen wahren Charakter, es fängt an zu leuchten, schmilzt und trennt sich von der Schlacke. So fördern wir die spezifische Eigenschaft des Erzes immer mehr zu Tage und alles andere fällt ab.

Analog zu diesem Bild konzentrieren wir uns bei der Entwicklung eines Wertes auf unser Ziel, auf das, was wir wirklich wollen. Wir treten den Ängsten, Zweifeln, Hindernissen und Widerständen mit Mut, gesammelter Kraft und Durchhaltevermögen entgegen, reagieren flexibel auf die äußeren Umstände und finden kreative Lösungen, die uns dem gesetzten Ziel näherbringen. So tritt der geschöpfte Wert immer mehr in seiner ganzen Herrlichkeit hervor, wogegen die inneren und äußeren Grenzen, die Zweifel, Ängste, Widerstände und Hindernisse wie Schlacke von uns abfallen.