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Wie kommen wir zu guten Lösungen?

Im Umgang mit unseren täglichen Problemen vertrauen wir Menschen den Wissenschaften, beten die Götter an, befragen die Sterne, protestieren gegen die Umstände, rufen nach dem allmächtigen Staat,…. oder wir fangen an zu grübeln, die Gedanken kreisen, sie quälen uns, doch wir finden keinen passenden Ausweg, verfallen in Resignation, werden lethargisch und teilnahmslos. In all diesen Fällen geben wir unsere eigene Verantwortung ab, die Lage zu verbessern. Dabei verfügen wir Menschen in vielen Situationen über die großartige Möglichkeit, uns selbst am Schopf zu packen und aus dem Sumpf herauszuziehen. Doch wie geht das? Wie finden wir gute Lösungen für unsere drängenden Fragen? Lösungen, die unseren Alltag leichter, freudiger und zugleich erfolgreicher gestalten?

Gute Lösungen fallen nicht vom Himmel. Es braucht ein geführtes Vorgehen, um Fragen gezielt aufzugreifen und sie Schritt für Schritt zu beantworten. Für tragfähige Lösungen, haben wir die verschiedenen Möglichkeiten und Sichtweisen konkret zu betrachten und sorgsam gegeneinander abzuwägen – solange, bis die erreichte Antwort für uns in der speziellen Situation wirklich passt, bis sie ins Machbare heruntergebrochen ist und wir ein gut begründetes Vertrauen in die Lösung entwickelt haben.

Dafür fragen wir neugierig, mit unvoreingenommenem Interesse: Was passt für die konkrete Situation? Was ist eine angemessene Lösung? Die Antwort liegt nicht auf der Straße. Wir finden sie nicht in den Regalen des Supermarktes. Sondern wir haben sie selbst aufzuspüren und weiter zu entwickeln. So schauen wir, fragen, prüfen, klären, fragen noch einmal, passen an, schauen wieder, prüfen und verbessern. Als Resultat entsteht eine eigene, eine neue Vorstellung, ein inneres Bild von der möglichen Lösung. Und dieses Bild ist immer weiter auszumalen und zu konkretisieren – solange, bis es passt. Das erfordert von den beteiligten Personen die Bereitschaft, alte Gewohnheiten in Frage zu stellen, sie anzupassen und mitunter auch, sie ganz hinter sich zu lassen. Es erfordert Mut, einen Schritt vor den eigenen, selbstgezimmerten Käfig zu wagen, mit all den vertrauten Überzeugungen und Ansichten. Auf dem Weg treffen wir auf unsere Ängste und auf unsere Kritiker. Doch wir fragen uns immer wieder: Was passt für die Situation? Was ist angemessen? Wie können wir den Ängsten und den Kritikern begegnen? Ihre Einwände behutsam aufgreifen? Sie entkräften? Sie in einer konstruktiven Weise in dem Lösungsbild mit berücksichtigen? So wird die Vorstellung von der Lösung immer lebendiger, immer farbiger und konkreter. Es entsteht eine Substanz. Wir schaffen etwas Neues. Etwas, das vorher nicht da war. Als Resultat entwickeln wir eine gute, eine spezifische Lösung für die gestellte Frage. Wir geben uns selbst die passende Antwort.

Aus diesem Ansatz ergibt sich ein Prozess, ein methodisches Vorgehen, mit dem wir die unterschiedlichsten Fragen in unserem Alltag aufgreifen und Schritt für Schritt zu einer guten Lösung bringen können:

Am Anfang steht die Eingangsfrage, für die eine Antwort herauszuarbeiten ist. Diese Frage wird aufgegriffen, eine erste Übersicht als Ansatz für die Antwort entwickelt und daraus ein grobes Lösungsbild entworfen. Das Bild wird betrachtet und gefragt: Was ist weiter zu ergänzen? Wo gibt es offene und unklare Punkte? Dabei gilt es, gut abzuwägen, welche Risiken und welchen Nutzen die Lösung bietet, wie aufwendig die Umsetzung ist, ob und wie wir sie mit unseren eigenen Vorstellungen und Interessen zusammenbringen. Daraus resultieren neue, detailliertere Fragen, die zu schärfen sind und weiter ist festzulegen, welche der Fragen als nächstes beantwortet wird. Dabei ist die Antwort soweit zu klären, dass sie sich gut in das Lösungsbild einfügt. Das Bild wird wieder betrachtet, geprüft, neue Fragen aufgeworfen, diese priorisiert, zur Antwort gebracht und in das Lösungsbild mit aufgenommen, das dann wieder betrachtet und geprüft wird, neue Fragen gestellt, priorisiert und beantwortet werden,… und so weiter und so fort. Als Resultat wird das Bild mehr und mehr mit Inhalt angereichert. Es entsteht eine immer vollständigere, konkretere, genauere und realistischere Sicht für die Lösung. Der Prozess wird solange durchlaufen, bis ein gutes Lösungsbild entwickelt ist und alle wesentlichen Fragen geklärt sind. Dann ist das Ziel erreicht. Dabei ist durchaus pragmatisch vorzugehen. Der Prozess ist zu beenden, sobald die Lösung im Wesentlichen passt – auch wenn noch Detailfragen offengeblieben sein mögen. Andernfalls ufert der Prozess leicht aus, wird endlos.

Der Prozess besteht aus den Schritten:

  1. Klären der Fragestellung
  2. Beantworten der Frage. Dieser Schritt besteht aus einer der möglichen Aktivitäten:
    • Kontakt aufbauen / Thema festlegen
    • Situation erfassen
    • Bedarf ergründen
    • Ideen finden
    • Entschluss fassen
    • Frage, Lösungsansatz klären
    • Frage, Lösungsansatz vermitteln
    • Ziele definieren
    • Tätigkeit, Schritt zum Ziel
    • Ziel erreicht
  3. Die Antwort in das Lösungsbild einordnen. Das Bild betrachten.
  4. Das Lösungsbild prüfen, abwägen und hinterfragen. Neue Fragen identifizieren.
  5. Passt das Bild, dann haben wir die Lösung gefunden, der Prozess ist beendet.
  6. Andernfalls ist zu planen, welche Frage als nächstes aufgegriffen wird, das Ziel festlegen, der Weg abzustecken.
  7. Mit den neuen Fragen wieder bei Schritt 2 einsteigen. Das Lösungsbild wird solange verbessert, bis es passt, bis alle wesentlichen Fragen geklärt sind.

Anhand des vorgestellten Prozesses kann jeder für sich selbst gute Lösungen entwickeln. Doch oftmals ist es angebrachter, wenn ein Mediator die Situation mit den beteiligten Personen nach dem Prozess ausrichtet, im Austausch die verschiedenen Vorstellungen und Gedanken aufnimmt, sie in eine verbindende Richtung bringt und im kooperativen Miteinander zu einer guten Lösung führt.