Site Overlay

Wie das Wesentliche Ordnung schafft

Die Ordnung in der Natur ist die Manifestation des Wesentlichen – der universellen Naturgesetze. Wir Menschen haben die großartige Möglichkeit, das Wesentliche erkennen zu können und es weiter aufzugreifen, um unser Leben bewusst danach auszurichten. So werden wir zu Schöpfern. Wir können Lösungen entwickeln, die über die Möglichkeiten unserer persönlichen Vorstellungen hinausgehen und eine befreiende Ordnung schaffen.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.                                                                                                                                       Und die Erde war wüst und leer,                                                                                                                                                                     und es war finster auf der Tiefe;                                                                                                                                                                       und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.
Genesis, 1. Buch Moses 1

In der Folge gestaltete Gott die Erde nach seiner Vorstellung. Er machte Licht, schuf Meer, Land und Berge, brachte das Leben auf die Erde: die Pflanzen, die Tiere und zu guter Letzt hat er uns Menschen geschaffen. Dann sah er, dass es gut war. Er hatte das Tohuwabohu auf der Erde geordnet und in eine Struktur gebracht.

So ist – nach der Genesis – die Ordnung auf dieser Erde entstanden. Dabei drängt sich die Frage auf: Können wir Menschen auch eine Ordnung schaffen? Eine Ordnung, die uns Orientierung und Halt gibt? Dafür haben wir uns zuerst die Frage zu stellen: Was ist überhaupt Ordnung? Lassen Sie uns zur Beantwortung einen kleinen Ausflug in die Physik unternehmen.

Betrachten wir eine Teilchenbahn. Das linke Bild zeigt ein geordnetes, harmonisches Muster, während die rechte Abbildung ein Durcheinander darstellt:

Die Ordnung resultiert aus einer Erhaltungsgröße, also einer dynamischen Größe entlang der Bahn, die konstant ist, die sich nicht ändert. Dabei kennen wir die Erhaltungsgröße meistens gar nicht, doch ihre Existenz manifestiert sich in der geordneten Teilchenbewegung. Bei der rechten Bahn gibt es nicht so eine Erhaltungsgröße, die für den Verlauf der Bahn eine Ordnung schafft. Stattdessen herrscht ein Wirrwarr, ein Chaos. So können wir sagen: die Existenz einer Erhaltungsgröße ist das Wesentliche, dass für eine Teilchenbahn eine Ordnung schafft.

Der Ansatz ist übertragbar

Kennen wir in einer Situation die zugrunde liegende physikalische Gesetzmäßigkeit, dann sehen wir in den Ereignissen in unserer Umwelt eine Ordnung, dann verstehen wir die Mechanismen, dann können wir die Gesetzmäßigkeiten selbst aufgreifen und unser Handeln aktiv nach ihnen ausrichten.

Doch sind die Gesetzmäßigkeiten zuerst einmal verborgen. Sie sind nicht direkt sichtbar. So ist es das Bestreben der Physiker, die Gesetze der unbelebten Natur zu ergründen, um zu einem immer tieferen Verständnis zu gelangen. Und ist ein Naturgesetz aufgespürt, dann können wir Menschen es nutzen und in vielfältiger Form in unserem Alltag und in der Technik anwenden. So war es zum Beispiel in der Elektrizitätslehre.

Beispiel: Entwicklung der Elektrizitätslehre

Schon im Altertum hatten die Menschen beobachtet, dass bei einem in Gewitterwolken die Haare zu Berge stehen, Bernstein nach dem Reiben mit einem Katzenfell kleine Teilchen anzieht und Zitteraale ihre Beute mit elektrischen Stromschlägen erlegen. So war es auch schon eine lang gehegte Sehnsucht der Menschen, diese elektrischen Kräfte für die eigenen Zwecke nutzen zu können.

Doch die Versuche im Altertum und Mittelalter waren wenig zielführend. Erst im 19. Jahrhundert konkretisierte sich die Vorstellung des Elektromagnetismus und der Durchbruch gelang, als James Maxwell um 1862 die Theorie des Elektromagnetismus in mathematischer Exaktheit formulierte. Damit war die Grundlage für die verschiedensten Anwendungen geschaffen. Die Theorie inspirierte zahlreiche Erfinder, etwa Thomas Edison und Nicolai Tesla. So wurde das elektrische Licht erfunden, das Telefon, das Radio, der Fernseher und so weiter und so fort. Und diese Entwicklung hält ja bis heute an.

Jetzt mögen Sie sagen: James Maxwell hat den Elektromagnetismus erfunden. Nun ganz so ist die Sache natürlich nicht. Denn der Elektromagnetismus, das ist eine universelle Gesetzmäßigkeit, die natürlich auch unabhängig von James Maxwell immer schon existierte. Doch er hatte die damaligen Kenntnisse und Beobachtungen zur Elektrizitätslehre und dem Magnetismus zusammengeführt, konkretisiert und zu einer schlüssigen mathematischen Theorie abstrahiert. Dadurch hat er das Verständnis für den Elektromagnetismus für uns Menschen auf eine neue Ebene gehoben, die vielfältige Anwendungen ermöglicht. So bildet die Erkenntnis einer universellen Gesetzmäßigkeit die Grundlage, auf der wir Menschen unsere eigenen Ideen und Lösungen entwickeln können.

Die Naturgesetze sind der Kern einer Sache, die Essenz, die zugrunde liegende universelle Gesetzmäßigkeit, die eine Situation prägt. Gleichzeitig können wir die Naturgesetze als Potential betrachten, als eine Möglichkeit, die in einer Sache oder Situation vorhanden ist und zu einem Ausdruck gebracht werden kann. Und indem wir Menschen die Naturgesetze ergründen, können wir das Potential aufgreifen und in unserem Leben verwirklichen.

Das Wesentliche in der belebten Natur

Doch wie können wir dieses Bild der Ordnung auf die belebte Natur und auf uns Menschen übertragen? Die stabile und die unstabile Bahn erinnern an ein Gleichnis aus der Bergpredigt, bei dem Jesus von dem Haus spricht, das auf Stein gebaut ist und stabil den Unwettern trotzt, und dem Haus, das auf Sand gebaut ist und bei dem erst besten Platzregen in sich zusammenfällt. Doch was gibt uns im Alltag die nötige Stabilität?

Ähnlich den Naturgesetzen in der unbelebten Natur gibt es auch universelle Gesetzmäßigkeiten in der belebten Natur. Sie prägen die Lebewesen – also die Pflanzen, die Tiere sowie uns Menschen. Es ist das Wesentliche unseres Daseins, unser inneres Potential, der innere Quell, der unserem Leben Fülle gibt, der uns täglich wieder aufstehen lässt, der uns die Kraft verleiht, unsere Aufgaben zu erledigen und uns die Lebensenergie spendet.

Das Wesentliche ist die universelle Lebenskraft, die die Grundlage für das Leben auf dieser Erde bildet. Sie ist in jedem Lebewesen auf eine ganz spezielle Art veranlagt und prägt maßgeblich das Sein. Bei uns Menschen sowie auch bei den Tieren drückt sich dieses Wesentliche im Aussehen und Verhalten aus. Bei den Pflanzen bestimmt es neben dem Aussehen auch die Heilwirkung. Und wird das Wesentliche aufgespürt und das Potential zu einem Ausdruck gebracht, so ist das immer mit einer befreienden Wandlung verbunden.

Wir können das Wesentliche in einem Samenkorn erkennen. In dem Korn liegt das Potential, sich zu einer Pflanze zu entwickeln. Doch damit das Samenkorn zu der Pflanze wird, hat es auf fruchtbaren Boden zu fallen, hat es genügend zu regnen, so dass das Korn keimt, wächst und gedeiht. So kann aus dem Korn eine üppige Pflanze werden. Das Potential, das in dem Samenkorn liegt, kommt zu einem Ausdruck.

Wir finden diese Art der Wandlung auch bei den Tieren. Etwa bei einer Schmetterlingsraupe, wenn sie sich in ihren Kokon verspinnt, der dann aufbricht, womit die Raupe ihr Raupendasein hinter sich lässt und zum Schmetterling wird. So ist in der Raupe das Potential zum Schmetterling vorhanden. Doch damit sich das Potential verwirklicht, hat die Raupe sich soweit zu entwickeln, bis die Wandlung tatsächlich erfolgen kann.

Doch was ist jetzt dieses Wesentliche?

Die unbelebte Natur genügt den physikalischen Gesetzen. Während die Wandlung des Samenkorns zur Pflanze sowie auch der Raupe in einen Schmetterling nach genetisch und instinktiv vorgegebenen Programmen erfolgt. Doch wir Menschen werden in unserem Verhalten weniger durch die physikalischen Gesetze, den Instinkt oder durch genetische Programme bestimmt. Stattdessen ist unser Verhalten maßgeblich durch unsere Vorstellungen, Ansichten und Meinungen geprägt, die wir im Laufe unseres Lebens entwickelt haben. Doch was soll da das Wesentliche sein?

Das Wesentliche ist eine universelle Eigenschaft, die unabhängig von den Lebewesen existiert und sie zugleich in ihrer Art prägt. Für uns Menschen ist das Wesentliche durch unsere dominierende Persönlichkeitseigenschaft bestimmt. Die Eigenschaften sind in jedem Menschen ganz individuell veranlagt. Und jeder Mensch bringt sie auf seine Art zu einem Ausdruck. So lebt der eine auf, wenn es etwas zu machen oder zu tun gibt. Der nächste möchte eine Frage oder Idee klären. Und wieder ein anderer lebt auf, wenn er etwas vermitteln kann. Ganz nach der individuellen Veranlagung. Dabei lassen sich neun Grundeigenschaften unterscheiden, die auch als Wesen bezeichnet werden können. (Siehe auch: Was ist das Wesentliche?)

Diese neun Wesenheiten sind universell. Sie prägen einerseits unser menschliches Verhalten, wir finden sie aber auch bei den Tieren, den Pflanzen sowie in den täglichen Situationen und Dingen. Und dabei gibt es stets eine Wesenheit die dominiert – den Wesenskern. Und diesen Kern bringen wir mit spezifischen Eigenschaften zum Ausdruck. Er gibt uns eine Ordnung im Leben. Doch betrachten wir ein Beispiel:

Beispiel: Neuausrichtung

Um uns auf etwas Neues einzulassen, haben wir die Bereitschaft zu entwickeln, das Alte, das Vertraute, das Bekannte hinter uns zu lassen. Das erfordert einerseits den Mut und die Kühnheit, sich über das Bestehende hinwegzusetzen, andererseits erfordert es die Gelassenheit, sich von überflüssigen Dingen trennen zu können. Für die Neuausrichtung brauchen wir ein Ziel, das uns so attraktiv ist, dass wir das Bestehende hinter uns lassen.

Die Persönlichkeit, die diese Eigenschaften verkörpert ist der Entdecker, der Planer, der Stratege, der Projektleiter. Sie zeichnen sich durch die Fähigkeit aus, Ziele formulieren zu können und den Weg dahin soweit zu ebnen, dass er beschritten werden kann.

Die Brennessel

Wir finden die Eigenschaft bei den Pflanzen. Etwa bei der Brennnessel. Sie ist eine Pionierpflanze, stellt geringe Ansprüche an den Boden, wächst am Wegesrand, am Waldrand, aber auch auf Kies- oder Schutthalden. Die Brennnessel sprießt bereits im zeitigen Frühjahr und breitet sich ungehemmt aus. Dabei setzt sie sich auch unter widrigen Verhältnissen durch. Mit ihren Härchen auf der Unterseite der Blätter ist sie recht wehrhaft.

Der Falke

Wir finden die Eigenschaft auch bei den Tieren. Etwa einem Falken, der sich nach der Beute ausrichtet, sie mit seinen scharfen Augen erspäht und loszufliegt, um sie zu greifen. Der Falke ist ein Jäger und verkörpert eine Aufbruchstimmung. Das ist seine wesentliche Eigenschaft. Sie prägt sein Aussehen, sein Verhalten, sein gesamtes Wesen. Die Eigenschaft gibt dem Falken eine gewisse Ordnung, die sein Dasein ausmacht.

Eine Schar Gänse

Wir finden die Eigenschaften der Neuausrichtung nicht nur bei einzelnen Tieren sondern auch im Miteinander – etwa bei einer Schar fliegender Gänse:

Gänse formieren sich in ihrem Flug immer zu einem V. Dieses Verhalten erfolgt bei den Gänsen ganz instinktiv. Jeweils eine Gans fliegt voran und die anderen folgen schräg versetzt in ihrem Windschatten. Und da das Fliegen an der Spitze anstrengend ist, wechseln sich die Gänse in ihren Positionen ab.

Das Fliegen im gegenseitigen Windschatten ist viel kräftesparender, als wenn jede Gans für sich alleine losfliegen würde. Im Miteinander können sie ihr Ziel – in den Süden zu fliegen – gut erreichen. Es stellt einen Wert dar der die Gänse in ihrem Miteinander ausrichtet und sich als übergeordnete Ordnung in der V-Formation manifestiert. 

Symbiose Impala – Madenhacker

Die Ausrichtung nach dem Wesenskern macht die Tiere zu Spezialisten. Und um die verschiedenen Situationen zu meistern, braucht es das konstruktive Zusammenwirken mit anders gearteten Tieren. Das ist die Grundlage der Symbiosen – wie hier an dem Beispiel einer Impala-Antilope und den Madenhackern. Die Vögel picken mit ihrem spitzen Schnabel Ungeziefer aus dem Fell der Antilope, das ihnen als Nahrung dient. Und davon haben beide einen Vorteil: die Vögel werden satt und die Antilope wird die lästigen Parasiten los.

Das Wesentliche bei uns Menschen

Erkennen wir den Wesenskern bei einem Menschen – also seine prägende Persönlichkeitseigenschaft – und wird sie weiter aufgegriffen und bewusst zu einem Ausdruck gebracht, dann lebt der Mensch auf. Es ist, als wenn ein Fisch sein Wasser gefunden hat, in dem er munter herumschwimmen kann. So mag der eine Mensch in seinem Element sein, wenn er etwas tun und machen kann, der andere lebt auf, wenn er eine Frage klären kann, eine Situation eingehend betrachten kann oder einen Entschluss herbeiführen kann…. und so weiter und so fort – ganz nach der individuellen Veranlagung.

Dabei ist das Wesentliche nichts Kompliziertes, nichts Großartiges oder Herausragendes. Das Wesentliche ist einfach. So einfach, dass wir Menschen es in der Regel gar nicht bewusst wahrnehmen. Dass wir es oft als etwas ganz Selbstverständliches hinnehmen, ihm gar keine Beachtung schenken und ignorieren. Denn das Wesentliche drängt sich nicht auf, spielt sich nicht in den Vordergrund. Es ist einfach da. Ganz selbstverständlich. Und so kommt es im Trubel und der Geschäftigkeit unseres Alltags oft gar nicht zu einem freien Ausdruck.

Das Wesentliche ins Leben bringen

Doch wollen wir das Wesentliche in unserem Leben erkennen, es uns bewusst machen und unser Leben gezielt danach ausrichten, dann stellen wir fest: die Sache ist gar nicht so einfach. Denn das Wesentliche unseres Menschseins wird überschattet durch all unser Wissen, durch all unsere Vorstellungen und unserem Intellekt – also von all unseren eigenen Ansichten, wie wir meinen, dass eine Situation, dass unser Leben zu gestalten sei.

Doch diese Eigenschaften prägen unser Verhalten nur vordergründig. Dagegen wirkt das Wesentliche aus der Tiefe unseres Innern, es ist die Kraft, die hinter unseren ganzen Meinungen und Ansichten steht. Doch wir kennen das Wesentliche meistens gar nicht. Und deshalb können wir ihm auch gar nicht bewusst den Raum geben, sich zu entfalten und frei zu wirken. Dann wirkt das Wesentliche im Verborgenen. Im Stillen. Und so ist durchaus ein gewisser detektivischer Spürsinn erforderlich, um das Wesen eines Menschen herauszufinden.

Leichter geht es bei Tieren oder Pflanzen. Denn die Tiere bringen ihr Wesen durch ihren Instinkt recht unmittelbar zu einem Ausdruck und die Pflanzen durch ihre inneren genetischen Programme. Jetzt haben wir Menschen mit unserem Bewusstsein die großartige Fähigkeit, das Wesen erkennen zu können. Und haben wir das Wesentliche in einem Tier oder in einer Pflanze aufgespürt, dann können wir uns die Frage stellen, was diese Wesenheit für uns selbst bedeutet. Ob und wie dieses Wesen unser eigenes Sein prägt. So können wir die Pflanzen oder Tiere wie einen Spiegel nutzen, in dem wir uns betrachten, und der uns einen Zugang zu unserem eigenen Wesen verschafft. (Siehe auch: Erkenne Dich selbst!)

Und haben wir unseren Wesenskern aufgespürt, dann können wir ihn zum Maßstab in unserem Leben erheben und die verschiedensten Situationen bewusst danach ausrichten. Einerseits für uns alleine. Doch die Spezialisierung auf unseren Wesenskern schafft auch die Voraussetzung für ein wirklich konstruktives Miteinander – in Analogie zu den Symbiosen bei den Tieren. Die Sehnsucht danach ist alt. Sie findet in dem Märchen der Bremer Stadtmusikanten einen Ausdruck.

Die Bremer Stadtmusikanten

Die Hauptfiguren der Geschichte – der Esel, der Hund, die Katze und der Hahn sind alt, für die täglichen Aufgaben nicht mehr so recht zu gebrauchen. Jedes der Tiere fürchtet auf seine Art um das Leben. Da gefällt ihnen der Gedanke, gemeinsam eine Combo zu gründen. Das ist natürlich für alle etwas Neues und bedeutet für jeden eine deutliche Veränderung. Doch die Tiere sind dazu bereit und lassen sich darauf ein. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Bremen.

Doch der Weg nach Bremen ist weit und anstrengend. Als sie des Abends in dem Wald das Haus mit dem gedeckten Tisch und den Räubern sehen, merken sie, was für einen Hunger sie haben. Außerdem gefällt ihnen das Haus. Sie beschließen, die Räuber zu vertreiben. Das ist ihr Ziel, das Wesentliche in der Situation. Gemeinsam entwickeln sie eine Vorstellung, wie sie dieses Ziel erreichen können. Dabei werden sie offen für die Meinungen und Ansichten der anderen Tiere. Und zugleich werden sie bereit, Zugeständnisse und Anpassungen an ihren eigenen Vorstellungen hinzunehmen. Denn das Verwirklichen des gemeinsamen Ziels ist ihnen wichtiger, als das Durchsetzen der eigenen Positionen.

Schließlich hatten sie ihre Lösung: der Esel stellte sich mit seinen Vorderfüßen auf die Fensterbank, der Hund auf des Esels Rücken, die Katze auf den Hund und der Hahn flog hinauf auf den Kopf der Katze. Und auf ein Zeichen, fingen sie an, Musik zu machen. Der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute und der Hahn krähte. Schauderhaft. Dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube. Die Scheiben zerbrachen. Es gab einen mächtigen Krach. Die Räuber fuhren erschrocken in die Höhe und flohen in großer Furcht in den Wald. Die Musikanten jedoch setzten sich an den Tisch und aßen, was übriggeblieben war. (Siehe auch: Die Bremer Stadtmusikanten)

Die Tiere hatten ihr gemeinsames Ziel: sie wollten die Räuber vertreiben. Das war für sie das Wesentliche in der Situation und dafür haben sie gemeinsam eine Lösung geschöpft, die eine Ordnung geschaffen hat. Und dabei hat sich jeder mit seinen Möglichkeiten einbringt.

Jetzt wirkt ja die musikalische Einlage der Bremer Stadtmusikanten ja recht improvisiert. Doch auch ambitioniertere Musiker richten sich nach einem verbindenden Ziel aus:

Beispiel: Ein Orchester

Betrachten wir dazu ein konkretes Beispiel: ein Orchester. Soll ein Musikstück aufgeführt werden, so liest der Dirigent vorab die Partitur und stellt sich die Frage, wie er das Musikstück interpretieren will, wie er das Zusammenspiel der Musiker ausrichten und das Stück gestalten möchte. Dabei fördert und fordert der Dirigent jeden einzelnen Musiker nach seinen ganz individuellen Möglichkeiten. Und natürlich muss jeder der Musiker seinen Part beherrschen und sich passend in das Zusammenspiel einbringen.

Ist alles gut aufeinander abgestimmt, das Stück, der Dirigent und die einzelnen Musiker, dann entsteht eine Ordnung, dann strahlt das Werk nach außen, der Funke springt über, die Aufführung wird zu einer Freude – sowohl für die Orchestermitglieder als auch für das Publikum, das mitgeht, aufsteht und begeistert applaudiert.

Neben dem Dirigenten und den Orchestermusikern gibt es noch eine weitere zentrale Person, die jedoch meistens im Hintergrund bleibt: der Komponist, der die Idee für das Musikstück hatte und in einer Partitur auf Papier festgehalten hatte. Der Komponist schafft und formt das Musikstück, er gibt die Ordnung vor, schreibt vor, welche Musiker wie zusammenspielen. Orchester arbeiten mit dieser Partitur und bringen sie zur Aufführung.

Das zu spielende Musikstück ist in diesem Fall das Wesentliche. Und alle Beteiligte schöpfen im Miteinander einen Wert , der eine verbindende Ordnung schafft und die Situation ausrichtet: der Komponist schöpft den Wert, der Dirigent und die einzelnen Musiker bringen den Wert zur Aufführung und das Publikum erfreut sich darüber.

Dabei ist das Vorgehen getragen von eigenständigen Personen, von Künstlern, die ihre unterschiedlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten freiwillig in ein kooperatives Miteinander einbringen, um dem Wert – also dem Musikstück – einen Ausdruck zu verleihen.

Zusammengefasst können wir sagen: Ein bewusst erschaffener Wert richtet uns und unser Miteinander aus und erzeugt eine verbindende Ordnung.

Wir Menschen sehnen uns nach Ordnung

Dessen sind wir uns oftmals nicht bewusst, doch es ist die Ordnung, die unserem Denken, unserem Fühlen und Handeln, unserem gesamten Sein einen Sinn verleiht. Eine Ordnung, die beständig und verlässlich ist, die heute und morgen immer noch gilt. Sie gibt uns eine Struktur, eine Orientierung und einen Inhalt im Leben. Und nicht nur uns alleine. Auch im Miteinander braucht es eine Ordnung, um konstruktiv zusammen wirken zu können, um sich aufeinander verlassen und sich gemeinsam nach einem verbindenden Ziel ausrichten zu können. Und auch in unserer Umgebung braucht es die Ordnung, denn sie bietet uns Sicherheit, gibt uns etwas Vertrautes, schafft Zuverlässigkeit.

Doch die Ordnung wirkt nur aufbauend und befreiend, wenn der zugrundeliegende Wert, eine Stabilität für die Situation bietet, wenn er für uns einen Sinn ergibt und keine Lüge oder Phantasterei ist, wenn der Wert eine verlässliche Basis bietet, auf der wir unser Haus errichten können, wenn wir das Haus auf Stein bauen und nicht auf Sand.

Und so wie das Haus zu bauen ist, haben wir den Wert soweit zu konkretisieren, dass er eine tragfähige und attraktive Lösung bietet, um die Situation neu zu gestalten. Die Grundlage dafür bietet die Ausrichtung nach dem Wesentlichen in der Situation. Indem wir uns nach dem Universellen ausrichten, können wir Werte oder Lösungen schaffen, die über unsere rein persönlichen Vorstellungen hinausgehen. Gleichzeitig entsteht eine Verbindung ins Miteinander. Denn das Wesentliche ist etwas Absolutes, das jeder zu einer Lösung bringen will.

Wichtig ist dabei, dass die entstehende Lösung von allen Beteiligten als passend empfunden wird. Dass jeder einen Sinn in seinem Beitrag sieht, mit dem er sich für die Lösung engagiert. Ist das nicht der Fall, etwa weil der „Wert“ von Außen vorgegeben oder gar verordnet, jedoch als unpassend für die Situation empfunden wird, wenn einzelne Beteiligte die anderen mit fadenscheinigen Argumenten überzeugt haben oder für sie die Lösung irgendwie keinen Sinn ergibt, dann wird die resultierende Ordnung oft als unstimmig empfunden und mitunter auch als aufoktroyierter Zwang, als Bevormundung, der wir uns nur widerwillig fügen und die wir als einengend und belastend empfinden. Dann kommt keine wirklich befreiende Ordnung zustande.

Fazit

Wir Menschen können selbst tragfähige und beständige Werte für unseren Alltag schaffen. Dabei bildet das Wesentliche in gewisser Hinsicht das Fundament, auf dem wir dann ein stabiles Haus errichten können. So werden wir selbst zu Schöpfern – für uns alleine sowie auch im Miteinander.