Hören wir Nachrichten, lesen wir Zeitung, schauen ins Fernsehen oder Internet – überall werden wir mit Problemen und Schwierigkeiten konfrontiert. Und anstatt jetzt die Probleme in den Griff zu kriegen, sie zu lösen, gewinnen wir den Eindruck, die Probleme werden immer größer und wachsen uns über den Kopf – sei es die Umwelt, die Wirtschaft, das Klima, die Gesundheitsversorgung, der Verkehr, die Rente, der Frieden auf Erden und so weiter und so fort.
Doch es quälen uns nicht nur die großen Themen. Mehr und mehr stehen wir auch in unserem täglichen Leben vor der Frage: Wie können wir unseren Alltag meistern? Was wollen wir eigentlich mit unserem Leben anfangen? Was macht es lebenswert? Wie kriegen wir unsere beruflichen, familiären und individuellen Interessen unter einen Hut?
Denn die alten Werte, die unseren Eltern und Großeltern noch eine sichere Orientierung im Leben gegeben haben, brechen mehr und mehr weg. Seien es etwa die engen Familienbande, das Leben in den Vereinen und Verbänden oder der Kirche. Heute scheint es nicht mehr attraktiv zu sein, sich für etwas zu engagieren, das nicht zu einem unmittelbaren Vorteil führt. Stattdessen tritt mehr und mehr das Eigeninteresse in den Vordergrund. „Survival of the Fittest“ wird zum Lebensprinzip.
Doch wie geht es anders?
Wie können wir einen konstruktiven Beitrag zur Lösung unserer drängenden Fragen leisten und dabei gleichzeitig zu einer inneren Zufriedenheit gelangen? Denn das ist es, was wir wirklich wollen. Wir wollen Lösungen für die Probleme, die für uns selbst attraktiv sind.
Jetzt können wir anfangen zu lamentieren: „Was kann ich kleines Würmchen denn zur Lösung unserer Probleme beitragen? Das ist doch die Rolle der Politiker, der Wirtschaft, der Organisationen und so weiter… Da habe ich doch gar keinen Einfluss drauf. Ich habe doch nur das zu tun, was andere von mir erwarten.“ Doch so machen wir uns allzu leicht zu Opfern der äußeren Umstände.
Auf der anderen Seite fangen wir an zu schimpfen und zu fluchen über das Unvermögen unserer Machthaber, dass sie es einfach nicht gebacken kriegen, tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Und sowohl die Opferrolle, das Ausgeliefertsein als auch die allgemeine Unzufriedenheit mit der Politik, der Wirtschaft und unserem eigenen Leben machen uns teilnahmslos und uninteressiert. Zugleich quälen uns Zukunftsängste. In der Folge entstehen häufig ernsthafte psychische Probleme, die oft auch zu körperlichen Krankheiten führen.
Doch wie können wir uns von der Lethargie befreien? Wie können wir selbst aktiv werden?
Werde Wesentlich
Dafür brauchen wir eine Vorstellung, was jeden einzelnen als Mensch wirklich ausmacht, was seine prägende Persönlichkeitseigenschaft ist. Denn jeder Mensch hat eine ganz individuelle dominierende Persönlichkeitseigenschaft – seinen Wesenskern. Und es ist eine zentrale Sehnsucht eines jeden Menschen, seinen Wesenskern zu erkennen und in seinem Leben zum Ausdruck zu bringen. Etwa lebt der eine auf, wenn es etwas zu organisieren gibt, ein anderer, wenn etwas im Miteinander zu gestalten ist oder wenn eine Entscheidung herbeizuführen ist… Ganz nach der individuellen Veranlagung. [1]
Und haben wir unsere zentrale Persönlichkeitseigenschaft herausgefunden, dann können wir uns damit identifizieren. Dann gibt uns der Wesenskern einen Sinn und Zweck im Leben. Zugleich spüren wir die Sehnsucht, dem Kern in unserem Leben einen passenden Ausdruck zu verleihen. Und das wirkt belebend. Denn dann wissen wir, was für eine Tätigkeit unserem Naturell entspricht, bei welcher Arbeit wir aufleben, so dass sie für uns zu einer Freude wird und wir ein wirkliches Interesse daran haben, ein gutes Resultat zu erzielen. Dabei entsteht eine Art Wert, der die gestellte Aufgabe zu einer attraktiven Lösung bringt und den wir mit unseren eigenen Fähigkeiten geschöpft haben.
Der Weg führt ins Miteinander
Denn wenn wir unser Selbstbewusstsein durch unseren Wesenskern bestimmen, merken wir: wir können nicht alles. Indem wir uns auf unsere Stärken fokussieren, sehen wir die Fähigkeiten, die wir nicht so gut können, nicht mehr als eigene Schwäche an, sondern werden offen für die Unterstützung durch unsere Mitmenschen. So entsteht ein konstruktives Miteinander. Dabei ziehen alle an einem Strang, um gemeinsam für eine konkrete Aufgabe eine attraktive Lösung, einen Wert zu schöpfen, wobei jeder seine ganz individuellen Möglichkeiten einbringt. Jeder fragt sich: Was kann ich mit meinen Möglichkeiten zur Entwicklung des Wertes beitragen?
Und gelingt das Miteinander, ergänzen sich die beteiligten Personen, tauchen sie ihre Meinungen und Ansichten aus und passen diese an, arbeiten sie Hand in Hand, fördern und unterstützen sich dabei, um gemeinsam einen Wert zu schöpfen, dann wird die Tätigkeit zu einer Freude. Dabei entsteht ein verbindendes Einheitsgefühl. Und dieses Gefühl nennen wir Liebe. [2]

Der zentrale Diamant steht für den Wert, der im Zusammenwirken als Lösung für die gestellte Aufgabe entwickelt wird. Dabei bringen sich die Beteiligten mit ihren individuellen Fähigkeiten und Interessen in das Miteinander ein – dargestellt durch die angedeuteten Personen in den verschiedenen Farben. Ist der verbindende Wert gut herausgearbeitet, dann resultiert ein freudiges, heiteres und befreiendes Miteinander.
Fangen wir bei uns an
Dabei mögen die Aufgaben zu Anfang durchaus klein sein und unbedeutend wirken. Doch fangen wir an in unserem ganz privaten Umfeld. Denn mit jeder Aufgabe, die wir zu einer Lösung bringen, wächst das Vertrauen und die Zuversicht in unsere eigenen Schöpferkräfte. So können wir die nächste, durchaus etwas größere Aufgabe couragierter angehen – im Kreis der Familie oder unserer Freunde, bei der Arbeit, im Verein… bis wir schließlich unsere drängenden gesellschaftlichen Aufgaben meistern.
Durch das gemeinsame Schöpfen eines Wertes werden die zentralen Persönlichkeitseigenschaften der beteiligten Personen aktiviert und kommen im Austausch zu einem Ausdruck. Dabei entstehen Werte für unsere Fragen und Aufgaben, die eine befreiende Ordnung schaffen, die eine sichere Orientierung und einen zuverlässigen Halt bieten, die unser Leben bereichern.
Wir schaffen eine neue Kultur des Miteinanders
Indem wir dem Wesentlichen unserer eigenen Persönlichkeit auf die Schliche kommen und bewusst zu einem Ausdruck bringen, können wir in einem kooperativen Miteinander einen aktiven Beitrag leisten, um für die wesentlichen Fragestellungen unseres Lebens attraktive Lösungen zu schöpfen. So entsteht eine neue Kultur des Miteinanders mit der wir das allgegenwärtige „Survival of the Fittest“ überwinden können. [3]