Um zu einem bewusstem Leben zu kommen, können uns nach vier Fragen ausrichten:
- Was ist mein Ideal, das ich verwirklichen möchte?
- Was ist meine Grundhaltung, mit der ich meine Aufgaben erledige?
- Was ist der Kern meines Wesens? Was prägt mich als Person?
- Wie koordiniere ich Ideal, Wesen und Grundhaltung?

1. Das Ideal
Das Ideal ist die universelle Gesetzmäßigkeit, die wir einerseits immer mehr ergründen und zu einer klareren Vorstellung bringen und nach der wir uns andererseits als Person in unserem Denken, Fühlen und Wollen ausrichten. Das bewusste Ideal ist ein innerer Wert, der unserem Leben einen Inhalt gibt, dem wir einerseits vertrauen können und der uns andererseits eine befreiende Orientierung in den täglichen Situationen bietet.
Als Ideal empfiehlt es sich, das Wesentliche aufzugreifen, das der eigenen Person oder der Situation bestmöglich entspricht. So möchte der etwa seinem Wesen einen eigenständigen Ausdruck geben, der nächste etwas Gestalten, Klarheit schaffen, das Wesentliche auf den Punkt bringen oder sich eine Übersicht verschaffen. Und so weiter.
2. Die Grundhaltung
Unsere Grundhaltung gibt an, wie wir unsere täglichen Aufgaben erledigen. Das ist durchaus von Person zu Person unterschiedlich. Der eine möchte machen und tun, der andere möchte etwas vermitteln, sich mit seinen Sinnen eine Übersicht in der Situation verschaffen, Fragen stellen und dazu passende Antworten entwickeln. Und so weiter. Ganz nach der individuellen Veranlagung.
Dabei ist es hilfreich, sich bewusst zu werden, wie man seine Grundhaltung zum Ausdruck bringt. Mit welchen Kriterien. Vielleicht vollrichtet der eine seine Aufgaben gewissenhaft und mit Hingabe. Ein anderer steckt voller Tatendrang und engagiert sich bereitwillig in den unterschiedlichsten Aufgaben. Der nächste ist empathisch, ausgleichend und verbindend.
Indem wir eine konkrete Vorstellung von unserer Grundhaltung entwickeln sowie von den Kriterien mit denen wir in unsere Aufgaben erledigen, können wir zu bewussten Gestaltern unseres Lebens werden.
3. Das Wesen
Das Wesen bestimmt, was mich als Person ausmacht. Was mich prägt. Was ich durch mein Tätigsein verwirklichen möchte. Dabei bringt das Wesen das Ideal und die Grundhaltung zusammen und wirkt transformierend.
Wir können das Wirken unseres Wesens mit der Wandlung einer Raupe in einen Schmetterling vergleichen. Die Ausgangssituation entspricht dem Raupendasein. Irgendwie ist es eng. Irgendwie passt es nicht so recht. Wir fragen uns: Was gibt es hier zu tun? Und haben wir eine Antwort, dann werden wir schöpferisch. Wir bringen das Wesentliche in der Situation, also unser Ideal und die Grundhaltung zusammen und entwickeln eine passende, eine attraktive und tragfähige Lösung, nach der wir die Situation neu gestalten. Wie die Raupe lassen wir dabei die alte Situation hinter uns und entfalten wie ein Schmetterling die neue Situation.
So schaut zum Beispiel ein Maler ein Zimmer prüfend an und denkt: Hier ist etwas frische Farbe an den Wänden angebraucht! Und weiter fragt er sich: Welche Farbe? Hat er sich für einen Farbton entschieden, so schreitet er zu Tat. Er beginnt die Möbel zu rücken, greift zu Farbe und Pinsel und als Resultat ist das Wohnzimmer neu gestrichen.
Oder ein Lehrer möchte etwas vermitteln. So fragt er sich in der Klasse: Was kann ich den Schülern als nächstes beibringen? Was ist der passende Lehrinhalt? Und hat er eine Antwort auf die Frage gefunden, dann schaut er, wie er den Lehrinhalt vermitteln kann, damit die Schüler ihn gut verstehen. Klar, anschaulich und freudig gestaltet er die nächste Unterrichtsstunde.
Oder ein Beobachter fraget sich: Was ist hier eigentlich los? Er möchte sich eine Übersicht in der Situation verschaffen. Dafür aktiviert er seine Wahrnehmung. Er schärft seine Sinne: er schaut, hört, riecht und fühlt. Und als Resultat entsteht ein immer klareres, genaueres und vollständigeres Bild von der Situation.
4. Die Ordnung
Damit das Wesen ein gutes Resultat erreicht, braucht es eine führende, eine übergeordnete Ordnung, die das Zusammenwirken des Ideals, des Wesens und der Grundhaltung koordiniert. Es ist vergleichbar mit einem Dirigenten in einem Orchester. Er fordert und fördert die einzelnen Musiker, damit im Zusammenspiel das Musikstück schön erklingt, damit der Funke auf das Publikum überspringt. Gelingt die Sache, dann erfüllt den Dirigenten, die Musiker und das Publikum ein verbindendes Einheitsgefühl. Dann sind wir am Ziel. Dann kommen wir zu einem erfüllten Leben.
Damit wir zum Dirigenten in unserem Leben werden, ist der entscheidende Punkt, dass wir eine führende Vorstellung entwickeln, nach der wir unser Handeln ausrichten. Die Vorstellung befreit unser Denken, Fühlen und Wollen. Dann sind wir nicht mehr damit beschäftigt, die einzelnen Punkte der To-Do Liste sklavisch abzuarbeiten. Stattdessen haben wir ein inneres Bild, das unser Handeln ausrichtet. Oder bei unserem Dirigenten: dann ist der Dirigent nicht mehr der Sklave der Partitur. Dann trägt er die Melodie im Herzen und gibt die entsprechenden Einsätze. Das Bild ist die Voraussetzung, damit das Lied wirklich erstrahlt. Sei es nun das Lied der Musiker oder auch unsere Lebensmelodie.
Dabei führt der Weg ins Miteinander. Denn indem wir uns auf unser Wesen spezialisieren, stellen wir fest, dass wir die Unterstützung der Mitmenschen benötigen, um wirklich attraktive und tragfähige Lösungen für unsere Fragen und Probleme zu entwickeln. Dabei bringt sich jeder mit seinen individuellen Möglichkeiten und Fähigkeiten ein, um für das gemeinsame Ideal im konstruktiven Zusammenwirken ein bereicherndes Resultat zu schöpfen.
5. Das Ziel: erfülltes Leben
Ist eine befreiende Ordnung geschaffen, so erfüllt uns ein Verbundenheitsgefühl mit den beteiligten Mitmenschen und der Situation. Es herrscht Friede Freude, Heiterkeit.
Fazit
So sind Liebe, Schönheit und Harmonie das Resultat, das sich einstellt, wenn wir unser Leben nach einem passenden Ideal ausrichten und dieses mit unserer individuellen Grundhaltung und unserem Wesen zu einem Ausdruck bringen. So entsteht eine befreiende Ordnung, die dem Leben Fülle gibt.
Dafür haben wir bewusst darauf zu achten, dass die einzelnen „Komponenten“ gut aufeinander abgestimmt sind. Wir haben zu schauen: was ist meine Grundhaltung? Was ist das dazu passende Ideal? Und wie bringe ich die beiden Sachen mit meinem Wesen zu einer geordneten Verbindung.
Hier finden Sie noch einige Beispiele dazu:
