Der moderne Mensch tut sich schwer mit der Sinnsuche. Denn die meisten glauben heute wohl ebenso wenig an eine endgültige Bedeutung des Lebens wie an den Weihnachtsmann [1]. Getoppt wurde diese Vorstellung von dem Philosophen Arthur Schopenhauer, der die Ansicht vertrat, nur ein Idiot könne glauben, das Leben sei lebenswert. In seinen Augen ist das treffendste Sinnbild des menschlichen Unternehmens der schaufelnde Maulwurf [2]:
Mit seinen übermäßigen Schaufelpfoten angestrengt zu graben – ist die Beschäftigung seines ganzen Lebens: bleibende Nacht umgibt ihn. Was aber erlangt er durch diesen mühevollen und freudenleeren Lebenslauf? Futter und Begattung: also nur die Mittel, dieselbe traurige Bahn fortzusetzen und wieder anzufangen im neunen Individuo.
In Anbetracht einer solchen Lebensperspektive erfasst uns doch allzu leicht eine Bedeutungs-, Orientierungs-, und Hoffnungslosigkeit. Ja das ganze Leben erscheint sinnlos und leer. Und in der Folge werden wir lethargisch und depressiv.
Doch halt! Wenn unser Leben leer ist, können wir ihm da nicht einen Inhalt geben? Können wir unser Leben nicht wie unseren Kühlschrank mit lauter schönen Sachen bestücken? Greifen wir doch all die Tätigkeiten auf, die uns Freude bereiten können. Die Welt bereisen, Fußballspielen, Musik machen, Theater und Konzerte besuchen, Tanzen gehen, geistvolle Gespräche im Literaturclub führen, Karten spielen und so weiter und so fort. Ja dann haben wir doch einen Inhalt im Leben. Dann haben wir einen ausgefüllten Terminkalender. Dann haben wir immer etwas zu tun.
Stopp! So einfach ist die Sache nicht. Allein durch unser mechanisches Tun kommen wir nicht zu einem erfüllten Leben. Dann sind wir im Grunde doch nur wie der Maulwurf, der einen Garten nach dem nächsten durchbuddelt.
Verstehen Sie mich jetzt bitte nicht verkehrt. Jedem sei sein Urlaub gegönnt. Jedem sein Hobby. Diese Aktivitäten können uns durchaus eine große Freude bereiten. Doch erfüllen sie uns? Dafür stellt sich die zentrale Frage: Wer hat die Führung? Reagieren wir nur auf die äußeren Ereignisse oder sind wir selbst die Akteure, die unser Leben gestalten? Betrachten wir dazu ein Beispiel:
Der Einkaufszettel
Am Samstag drückt mir meine Frau einen Zettel in die Hand, auf dem sie aufgelistet hat, was ich einkaufen soll – und auch wo: einige Dinge im Supermarkt, andere in der Drogerie und dann noch einiges im Bioladen. Gehorsam nehme ich den Zettel und arbeitet ihn ab, akribisch bedacht, wirklich alles zu besorgen, was auf der Liste steht. Wenn ich etwas in dem einen Laden nicht finde, gehe ich in den nächsten, um es dort zu erwerben. Stolz, meine Arbeit gewissenhaft erledigt zu haben, kehre ich nach Hause zurück.
Meine Frau ist jedoch verärgert: „Es ist doch zum Verrücktwerden“, ruft sie. „Du kaufst immer nur genau das ein, was auf dem Zettel steht!“ Ich wundere mich: „Was ist daran falsch?“ Meine Ehefrau heult auf: „Wir wollen doch heute eine Lasagne machen, und jetzt fehlen uns die Lasagneblätter!“ Jetzt bin ich es, der verärgert ist: „Und woher soll ich wissen, was es heute Abend zu essen gibt?“
Szenenwechsel: Am darauffolgenden Samstag bekommen wir Besuch. Schon im Vorfeld überlegen wir, was es zu essen geben soll, und entscheiden uns für eine Gemüsepfanne. Wieder schreibt meine Frau den Einkaufszettel, und wieder laufe ich am Morgen los, um die Einkäufe zu erledigen. Doch es ist vertrackt: Für die Gemüsepfanne suche ich neben Möhren auch Kohlrabi und muss feststellen, dass Kohlrabi im Bioladen ausverkauft ist. Was ist zu tun?
Ich habe keine Lust, von Laden zu Laden zu laufen, bis ich irgendwo Kohlrabi auftreibe. Stattdessen werde ich kreativ und fragt mich, welches Gemüse alternativ zu den Möhren passen würde. Ich entscheide mich für Zucchini und wähle dazu noch etwas Staudensellerie für den Geschmack. Ja, das passt doch!, denke ich. Als ich meine Einkäufe nach Hause bringe, freut sich meine Frau, die gleich damit beginnt, die passende Gewürzmischung zusammenzustellen und die geeigneten Kräuter. Am Abend servieren wir den Gästen eine eigene Variation der Gemüsepfanne. Das Resultat schmeckt köstlich, und wir haben ein neues Rezept, das unsere Sammlung bereichert.
Nehmen wir das Beispiel unter die Lupe
In der ersten Situation fehlt mir die Information, die eigene Vorstellung davon, was es zu essen geben soll. So bemühe ich mich bei dem Einkauf, den Zettel gewissenhaft abzuarbeiten. Der Einkaufszettel bestimmt mein Handeln, ihm ordne ich mich sklavisch unter, ohne zu wissen, warum und wofür. Doch kann ich keinen eigenen, kreativen Beitrag beim Einkaufen leisten. So bemerkt ich auch nicht, dass meine Frau vergessen hat, die Lasagneblätter zu notieren.
Im zweiten Fall weiß ich aber über das Kochvorhaben Bescheid. Ich verfolge mit dem Einkauf ein konkretes Ziel. Ich habe eine klare Vorstellung davon, was ich mit meinem Einkauf erreichen will. Diese Zielvorstellung gibt mir eine Ausrichtung bei dem Einkauf. Sie macht mich zum Gestalter der Situation. Sie leitet mich, richtet mein Handeln aus und macht mich frei von dem Zettel.
So kann ich selbst mitdenken und mir die Frage stellen: Was ist eine geeignete Gemüsekombination für das Abendessen? Ich kann meine Einkäufe dann nach der Antwort ausrichten, die ich selbst finde. Dabei benötige ich den Einkaufszettel zwar trotzdem noch, aber jetzt dient er mir mehr zur Orientierung und Erinnerung. Die bewusste Zielvorstellung – das gemeinsame Essen – richtet die Situation aus, leitet mich beim Einkaufen, lässt meine Frau die passenden Kräuter und Gewürze wählen. So wird das Essen lecker und der Abend gelingt.
Indem wir unser Handeln nach einer Zielvorstellung ausrichten, werden wir auf zwei Ebenen tätig:
- Die inhaltliche Ebene – sie beschreibt das „Was“, das konkrete Resultat, das wir erreichen wollen. Also hier das Tätigen des Einkaufs.
- Die gestalterische Ebene – sie beschreibt das „Wie“, unser Vorgehen, das uns hilft, ein Ergebnis zu erreichen. Sie bestimmt, wie der Einkauf durchgeführt wird.
Und damit der Abend gelingt, kommen diese beiden Ebenen konstruktiv zusammen.
Übertragen wir das Beispiel auf unser Menschsein
Doch dann stellt sich sofort die Frage: „Was soll für uns Menschen das „Was“ eigentlich sein?“ Es soll etwas sein, das uns zu Gestaltern unseres Lebens macht, das unser Denken, Fühlen und Handeln ausrichtet. Eine Art innerer Quell, der immer da ist, der uns die Kraft gibt, täglich neu aufzustehen. Der uns antreibt, so dass wir bereitwillig unsere täglichen Aufgaben erledigen. Etwas nach dem wir unser Leben ausrichten können, so dass eine bereichernde Fülle entsteht. Es ist die Frage nach dem, was uns als Menschen prägt. Der Kern unseres Wesens. Außerdem stellt sich die Frage: Wie können wir unsere Leben nach dem Kern gestalten? Und weiter: Was soll das alles? Was erreichen wir damit? Was hat das Ganze für einen Sinn? Wir können es in drei Fragen zusammenfassen:
- Was macht unser Wesen aus?
- Wie bringen wir unser Wesen zu einem Ausdruck?
- Was soll das alles?
Betrachten wir die drei Fragen genauer:
1. Was macht unser Wesen aus?
Es ist die Frage nach dem Wesentlichen unseres Menschseins, nach der Essenz, der zugrunde liegenden universellen Gesetzmäßigkeit. Doch wie prägt das Wesentliche unser Leben? Wie kommt es zu einem Ausdruck? Wir können das Wesentliche als Potential betrachten, also als eine Möglichkeit, die in einem Menschen vorhanden ist, die jedoch aktuell noch nicht verwirklicht ist, die aber zu einem Ausdruck gebracht werden kann. (siehe auch: Was ist das Wesentliche?)
Dieses Potential drückt sich in unseren seelischen Bedürfnissen aus sowie in unseren Persönlichkeitseigenschaften. (siehe auch: Die seelischen Bedürfnisse) Dabei lässt sich die Vielfalt der seelischen Bedürfnisse auf neun Grundbedürfnisse zurückführen:
- Der Wunsch nach Orientierung
- Der Wunsch nach dem Wesentlichen
- Der Wunsch nach Transzendenz
- Der Wunsch nach Eigenständigkeit
- Der Wunsch nach Klarheit
- Der Wunsch nach sozialer Verbundenheit
- Der Wunsch nach Neuausrichtung
- Der Wunsch nach Aktivität
- Der Wunsch nach Ordnung
Diese Grundbedürfnisse sind in jedem Menschen angelegt. Wir können sie als einzelne Wesen betrachten, die im Zusammenspiel unser Leben ausmachen. Allerdings gibt es stets ein dominierendes Wesen, das einen Menschen maßgeblich prägt – den Wesenskern. Doch unser Wesenskern ist uns meistens nicht bewusst. Er möchte erkannt, er möchte aufgeweckt werden, damit wir ihn zum führenden Maßstab in unserem Leben erheben können.
Doch das Erkennen des Wesenskerns ist kein Selbstzweck. Mit der Erkenntnis ist unmittelbar die Aufgabe verbunden, den Kern in den täglichen Aufgaben ins Leben zu bringen.
2. Wie bringen wir unseren Wesenskern zum Ausdruck?
Betrachten wir ein konkretes Beispiel: einen Berater, der andere Menschen unterstützt, Klarheit in das tägliche Wirrwarr zu bringen. Dafür stellt er gezielte Fragen und führt sie zu attraktiven und tragfähigen Antworten. So schafft der Berater Klarheit in der Situation. Und dieses „Klarheit schaffen“, das mag jetzt mal der Wesenskern unseres Beraters sein. (Natürlich können Berater durchaus auch einen anderen Wesenskern haben. Sie verfolgen dann mit ihrer Beratung ein anderes Ziel.)
Doch wie geht der Berater vor? Hat er nur das „Was“ im Kopf, also nur den Willen, Klarheit zu schaffen, so nutzt seine Beratung meistens nicht viel. Vielleicht hangelt er sich durch seine Beratung anhand einer To-Do Liste, ähnlich dem Einkaufszettel. Dann arbeitet er jeden Punkt auf seiner Liste durchaus gewissenhaft ab. Doch er ist nur der Sklave der To-Do Liste – ohne sich auf das Spezifische in der Situation wirklich einzulassen, ohne innere Führung, ohne eigene Vorstellungen und ohne eigenen Antrieb.
Damit die Beratung erfolgreich wird, braucht der Berater eine Vorstellung, „Wie“ er seine Aufgabe ausführt. Deshalb bestückt und sortiert er seinen Methodenkoffer, der es ihm ermöglicht, die unterschiedlichsten Fragen zu guten Antworten zu führen. Dafür richtet der Berater seine Persönlichkeitseigenschaften gezielt nach seinem Zweck – Klarheit schaffen – aus und bringt sie in ein konstruktives Miteinander. Doch gehen wir Schritt für Schritt vor:
Was sind unsere zentralen Eigenschaften?
Zuerst stellen wir fest, dass jedes der Wesen mit speziellen Persönlichkeitseigenschaften verknüpft ist:

Dabei sind die Eigenschaften ganz individuell ausgeprägt. Und so können wir uns die Frage stellen: Was sind die wesentlichen Eigenschaften unseres Beraters? Wie bringt er sein Wesen – Klarheit schaffen – zu einem Ausdruck?
Vielleicht betrachtet er konzentriert und kritisch, was in einer Situation noch nicht passt und greift das weiter auf, um es kreativ zu einer attraktiven Lösung zu bringen. Oder er ist realistisch, wägt gut ab, was in einer Situation tatsächlich möglich ist und schöpft dafür eine tragfähige Lösung. Und so weiter. Ganz nach der individuellen Veranlagung.
Wichtig dabei ist, dass der Berater nicht irgendwelche Eigenschaften aufgreift, die ihm attraktiv und erstrebenswert erscheinen, sondern jene, die für ihn wirklich gut passen. Die er auf seine ganz individuelle Art in seinem Leben zum Ausdruck bringt. Und dabei ist weniger oft mehr. Wir suchen nicht möglichst viele Eigenschaften, sondern die Wesentlichen. Da mögen ein oder zwei Eigenschaft durchaus schon genügen.
Sagen wir mal, unser Berater hat die wesentlichen Eigenschaften: konzentriert, kritisch und kreativ. Mit diesen drei zentralen Eigenschaften bringt er das „Klarheit schaffen“ zu einem Ausdruck. Danach richtet er die anderen Wesen aus. Wir können es in einem Bild darstellen:

Im Zentrum ist der Wesenskern und drum herum sind die anderen Wesen angeordnet. Um Klarheit zu schaffen richtet der Berater die einzelnen Wesen nach seinen zentralen Eigenschaften aus: konzentriert, kritisch, kreativ. Weiter verbindet der Berater die Wesen zu einem zusammenhängenden Prozess, der es ihm ermöglicht, in der Situation Klarheit zu schaffen. Das geschieht in folgenden Schritten:
Der Entwicklungsprozess
- Bei jedem neuen Auftrag verschafft sich der Berater zuerst eine Orientierung in der Situation. Dafür stellt er den Beteiligten Fragen: Was? Wie? Wo? Wann? Doch damit es ein klares Bild wird, fragt er kritisch weiter, wo noch etwas Unklar ist, wo es noch Missverständnisse oder offene Fragen gibt. Und dabei wird er kreativ: er betrachtet die Situation aus immer neuen Perspektiven und stellt dabei durchaus verblüffende Fragen. Und mit den Antworten verschafft sich der Berater ein klares Bild.
- Im nächsten Schritt schaut der Berater, wie er das für ihn Wesentliche in der Situation aufgreifen kann. Also wo er in der Situation Klarheit schaffen kann. Dafür bleibt der Berater nicht beim Betrachten der Situation stehen. Er hinterfragt und ergründet sie mit einem konzentrierten und kritischen Spürsinn: Warum ist hier etwas unklar? Was ist die Ursache? Was ist der Grund? Die Fragen werden solange immer weiter präzisiert, bis die wesentliche Frage in der Situation klar auf den Punkt gebracht ist.
- Und haben wir die wesentliche Frage erfasst, dann gilt es dafür eine Antwort zu entwickeln. Dafür betrachtet der Berater die Welt im Lichte der Frage – möglichst unabhängig, frei und mit einer großen Weite. Das aktiviert seine Intuition. Ihm kommen neue, kreative Ideen, als mögliche Antworten auf die gestellte Frage.
- Kreativ entwickelt der Berater die Ideen in seiner Fantasie zu lebhaften Bildern. Dann prüft er die Ideen auf ihre Tauglichkeit. Er spürt kritisch die Zweifel auf, die einer Realisierung im Wege stehen können, und findet dafür kreative Lösungen. So wird das Bild immer klarer. Letztlich trifft der Berater einen Entschluss, welche der Ideen weiterverfolgt wird, um sie zur Lösung zu konkretisieren und die Situation entsprechend neu auszurichten und zu gestalten.
- Dabei mag zu Anfang die Idee durchaus noch visionär sein. Der Berater greift sie weiter auf, um sie zu klären. Dafür identifiziert er mit kritischem Blick immer wieder unklare Punkte, für die er dann kreative Lösungen findet. Wie Puzzleteile fügen sich die einzelnen Beiträge zu einem schlüssigen Lösungsbild. Schritt für Schritt wird die Lösung bis in das konkret Machbare heruntergebrochen.
- Dann stellt der Berater die Lösung seinen Kunden und Kollegen vor. Durch den kritischen Austausch entstehen neue Anregungen und Verbesserungsvorschläge, die in dem Lösungsbild kreativ mitberücksichtigt werden können. So wird die Lösung immer stabiler und zugleich attraktiver. Schließlich hat der Berater ein klares Lösungsbild herausgearbeitet.
- Und dieses Bild gilt es jetzt, in die Realität zu bringen. Dafür identifiziert der Berater einzelne Aufgaben und entwickelt für jede ein klares Zielbild, das angibt, wie die Situation aussehen soll, wenn die Aufgabe erledigt ist.
- Im Bewusstsein des jeweiligen Zielbildes werden die Aufgaben verwirklicht. Die Situation wird neu gestaltet. Das Wesentliche kommt in die Realität. So hat der Berater Klarheit geschaffen. Und hat er seinen Job gut gemacht, dann ist als Resultat eine verbindende Ordnung für die gesamte Situation entstanden, die das anfängliche Wirrwarr auflöst und neu sortiert.
- Der Wesenskern unseres Beraters ist Klarheit schaffen. Danach richtet er die verschiedenen Wesen aus und koordiniert ihr Miteinander, so dass ein gutes Resultat entsteht. Dabei können wir seine Aufgabe mit einem Dirigenten vergleichen, der die einzelnen Wesen ähnlich wie die Musiker in einem Orchester fordert und fördert, damit im konstruktiven Zusammenspiel eine neue, umfassende Ordnung für die gesamte Situation entsteht. Und die verschiedenen Wesen, die dabei zum Einsatz kommen, lassen sich mit Tieren veranschaulichen, die die jeweiligen Eigenschaften verkörpern.

Der Weg führt ins Miteinander
Jetzt sieht es auf den ersten Blick so aus, als wäre unser Berater in dem gesamten Prozess auf sich alleine gestellt. Doch dabei wird er damit konfrontiert, dass er sich spezialisiert hat. Er schafft Klarheit. So mag das Stellen von Fragen und Schöpfen von Antworten bei ihm stark ausgeprägt sein. Doch vielleicht liegt es ihm weniger, Entscheidungen zu treffen oder Aufgaben zu verwirklichen.
Und hier führt der Weg ins Miteinander. Indem wir uns in den einzelnen Prozessschritten austauschen, indem wir Rat und Unterstützung suchen, meistern wir die jeweilige Aufgabe. So wird die Aufgabe aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Persönlichkeitseigenschaften und Vorstellungen betrachtet. Dafür spricht unser Berater mit seinen Kunden sowie mit seinen Kollegen, die er als Sparringspartner nutzt. Gemeinsam werden die Resultate auf den Prüfstein gestellt und so lange verbessert, bis die Lösung attraktiv und tragfähig ist. Das wesentliche Mittel sind dabei die Gespräche. Die Methode der Guten Gespräche bringt den Prozess ins Leben [3].
3. Was soll das alles?
Doch warum wollen wir uns der Mühe unterziehen, unserem Wesenskern auf die Schliche zu kommen? Was haben wir davon, unsere zentralen Eigenschaften herauszufinden und danach unser Leben zu gestalten?
Erkennen wir unseren Wesenskern, dann erkennen wir das Potential, das in uns schlummert. Und indem wir uns auf unsere wesentlichen Persönlichkeitseigenschaften fokussieren, können wir mit dem Entwicklungsprozess unser Wesen in den täglichen Situationen bewusst zur Entfaltung bringen. Und das belebt. Es ist, als wenn ein Fisch sein Wasser gefunden hat, in dem er munter herumschwimmen kann. Wir werden zum Dirigenten unseres Lebens und können bewusst dafür sorgen, dass es ein erfülltes Leben wird.
So mag der eine Mensch in seinem Element sein, wenn er etwas tun und machen kann, der andere lebt auf, wenn er eine Frage klären kann, eine Situation eingehend betrachten kann oder einen Entschluss herbeiführen kann…. und so weiter und so fort – ganz nach der individuellen Veranlagung. Und dabei braucht es jeweils eine passende Aufgabe, in der wir unser Wesen zum Ausdruck bringen können.
Wir können uns aufschwingen und diesen Ansatz als Sinn des Lebens herausstellen:

Doch zur Warnung sei gesagt: Der beschriebene Weg ist eine Lebensaufgabe. Es ist eine kontinuierliche Entwicklung. So war unser Berater am Anfang seines Berufslebens wohl noch durchaus unsicher. Doch mit den Erfahrungen, die er in seinen Aufträgen und im Umgang mit seinen Kollegen sammelt, wird er sich seines Wesenskerns immer bewusster. Immer konkreter wird die Vorstellung, was „Klarheit schaffen“ für ihn bedeutet. Und zugleich gelingt es ihm immer leichter und souveräner, die täglichen Aufgaben zu meistern. So bringt der Berater sein inneres Wesen – Klarheit schaffen – immer mehr zur Entfaltung. Mehr und mehr erfüllt ihn dabei eine gelöste Leichtigkeit und Heiterkeit.
Eine neue Kultur des Miteinanders
Bei dem Vorgehen tritt der Wesenskern, also „Was“ wir verwirklichen wollen, mehr und mehr in den Hintergrund. Er wird abgelöst durch die Art, „Wie“ wir die einzelnen Wesen durch unsere zentralen Persönlichkeitseigenschaften zum Ausdruck bringen. (siehe auch: Der Kreis und seine Mitte)
Dabei ebnet die Ausrichtung auf das „Wie“ den Weg in das Miteinander. In dem wir nicht in dem „Was“ verhaften, sondern uns fragen: Wie können wir gemeinsam die Situation lösen, so dass es für jeden passt, schaffen wir einen Bezug zu unseren Mitmenschen. Der Wunsch, für ein wesentliches Anliegen eine Lösung zu schaffen, verbindet. Wir werden offenen für die Eigenschaften und Vorstellungen der anderen Menschen und sehen den Austausch als Bereicherung, um eine attraktive Lösung zu schöpfen. Dabei ziehen alle an einem Strang. Und jeder bringt sich mit seinen ganz individuellen Eigenschaften in ein konstruktives Miteinander ein.
Mit dem gemeinsamen Entwickeln der Lösung entsteht eine befreiende Ordnung, die jeden Einzelnen, das Miteinander und die gesamte Situation umfasst und neu ausrichtet. Dabei erfüllt die Beteiligten mehr und mehr ein verbindendes Einheitsgefühl – die Liebe. Wir können es in einem Bild darstellen:

Der zentrale Diamant steht für das Wesentliche, für das die Beteiligten in der konkreten Situation eine Lösung schöpfen. Dafür richtet sich jeder nach dem für ihn Wesentlichen aus und bringt sich mit seinen individuellen Fähigkeiten und Interessen ein – dargestellt durch die angedeuteten Personen in den verschiedenen Farben. Ist die Lösung gut herausgearbeitet, dann resultiert eine Ordnung, die Orientierung und Halt gibt und die Beteiligten mit einem verbindenden Einheitsgefühl erfüllt – der Liebe.
Fazit
Im Bewusstsein des Wesentlichen können wir Menschen unser inneres Wesen in unseren Aufgaben zur Entfaltung bringen. Dabei entsteht eine neue Kultur des Miteinanders, in der wir gemeinsam Lösungen für unsere Fragen und Aufgaben entwickeln, die dem Leben Sinn und Fülle geben. (siehe auch: Eine neue Kultur des Miteinanders)
Also richten wir unser Leben, richten wir unser ganzes Sein nach dem Wesentlichen aus! Denn das Wesentliche ist ein nie versiegender Quell, der uns Halt und Orientierung geben kann, und aus dem wir ein erfülltes Leben schöpfen können.
Quellen
[1] Terry Eagleton: Der Sinn des Lebens, List Taschenbuch, Berlin 2010
[2] Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, in Sämtliche Werke, Stuttgart und Frankfurt am Main 1976, Bd. II, S. 457
[3] Eugen Flöthmann: Was wir wirklich wollen, Books on Demand, Norderstedt, 2023
