In meinem letzten Artikel zu dem Sinn des Lebens hatte ich als Beispiel für den Veränderungsprozess einen Berater herausgestellt, dessen Wesen es ist, Klarheit zu schaffen. Jetzt mögen Sie sagen: „Ja ein schönes Beispiel, doch was bedeutet das für mich?“ Denn Sie sind vielleicht kein Berater. Ihnen liegt es vielleicht mehr, Aufgaben auszuführen oder Entscheidungen zu treffen. Welche Rolle spielt da das Klarheit schaffen?
Betrachten wie den Berater etwas genauer
Die Grundhaltung für unseren Berater ist das Stellen von Fragen und das Entwickeln von Antworten. So schafft er Klarheit und fördert eine gewisse Erkenntnis zu Tage. Dabei leitet ihn von folgender Veränderungsprozess (siehe auch: Der Sinn des Lebens):

Im Zentrum ist der Wesenskern – also für unseren Berater das Klarheit schaffen. Wir können ihn mit einem Uhu vergleichen, der Licht in das Dunkel bringt. Um den Wesenskern herum sind die anderen Wesen angeordnet. Um Klarheit zu schaffen richtet der Berater die einzelnen Wesen nach seinen zentralen Eigenschaften aus: konzentriert, kritisch, kreativ. Weiter verbindet der Berater die Wesen zu einem zusammenhängenden Prozess. Dabei ist sein Ziel, attraktive und tragfähige Lösungen zu schöpfen, die für die Situation eine befreiende Ordnung schaffen.
Für unseren Berater ist das Schöpfen von Lösungen ein gewisser Selbstzweck. Es ist einfach seine innere Natur, Fragen zu stellen und Antworten zu entwickeln.
Dabei ist der zentrale Punkt: wenn der Berater einen Entschluss (Schritt 4) getroffen hat, wie das Wesentliche in einer Situation verwirklicht werden soll, fängt er an, diese Idee zu klären (Schritt 5) und dafür ein passendes Lösungsbild zu entwickeln und zu vermitteln (Schritt 6). Und erst wenn das Bild passt, werden daraus konkrete Ziele für die Umsetzung abgeleitet (Schritt 7) und verwirklicht. (Siehe auch das Beispiel mit dem Lehrer in: Werde, der Du werden kannst)
Doch welche Rolle spiel das Klarheit schaffen bei Personen mit einer anderen Prägung?
Das Treffen von Entscheidungen
Betrachten wir eine Person mit dem Wesenskern Eigenständigkeit. Was ist hier die Grundhaltung? Es ist das bewusste Sein des Selbst, das würdevoll zu einem Ausdruck gebracht werden möchte. Das Mittel dafür ist das Treffen von Entscheidungen. Dabei trifft diese eigenständige Person ihre Entscheidungen vielleicht verantwortungsbewusst, souverän und mit Weitsicht.
Doch um zu seinen Entscheidungen zu kommen, hat sich unser würdevoller Mensch die Frage zu stellen: „Wie komme ich zu einer passenden Entscheidung?“ Der Ausgangspunkt ist ein Gedanke, eine Idee. Doch die ist weiter zu klären und zu konkretisieren, damit ein guter Entschluss getroffen werden kann. Dafür ist der Gedanke zu betrachten und mit Fantasie zu einem Bild zu entwickeln, wie er die Situation neu gestalten kann.
Und wenn eine gewisse Vorstellung entstanden ist, betrachten wir das Bild kritisch. Dafür fragen wir uns: Was versprechen wir uns von der Verwirklichung des Gedankens? Welcher Nutzen, welcher Aufwand und welche Risiken sind damit verbunden? Und wie passt er zu unseren anderen Zielen? Diese Kriterien sind gegeneinander abzuwägen. Dabei treten immer weitere Zweifel und neue Fragen ins Bewusstsein, die zu plausiblen Lösungen gebracht werden. So wird das Bild immer klarer und konkreter. Und schließlich haben wir ein klares Kriterium für den Entschluss: Das entstandene Bild ist für uns attraktiv und erstrebenswert oder halt nicht. Haben wir uns für einen Gedanken durchgerungen, dann wird er weiter aufgegriffen, um die Situation danach passend zu gestalten.
Oder anders ausgedrückt: Um eine gute Entscheidung zu treffen, verschafft sich eine eigenständige Person Klarheit für einen Gedanken. So wird das Klarheit schaffen zum Mittel, um einen guten Entschluss herbeizuführen, der dann würdevoll vertreten werden kann.
So sieht der Veränderungsprozess für einen eigenständigen Menschen etwas anders aus als für unseren Berater. Dabei können wir den Wesenskern des eigenständigen Menschen als einen Löwen betrachten, der mächtig und würdevoll in der Savanne steht.

Jetzt erfolgt das Klären (Schritt 4) und Vermitteln (Schritt 5) unmittelbar nach dem Finden von Ideen (Schritt 3). Es bildet die Voraussetzung, um eine gute Entscheidung (Schritt 6) zu treffen, die dann weiter verwirklicht wird. (siehe auch das Beispiel mit dem Gartenteich in: Einen Entschluss fassen)
Das Machen und Tun
Betrachten wir noch einen weiteren Fall. Jemanden, dessen Wesen das Machen, das Tun ist. Die Person findet Sinn in der Tätigkeit, also in dem Verwirklichen von Aufgaben. Und das macht sie vielleicht mit Tatendrang, voller Energie und Hingabe.
Findet die tatkräftige Person eine attraktive Aufgabe, so trifft sie unmittelbar die Entscheidung, diese zu verwirklichen.
Dabei geht unsere Person schrittweise vor. Bei jedem Schritt fragt sie sich: Wie kann ich diesen verwirklichen? Dafür werden einerseits Zweifel und Fragen aufgeworfen und beantwortet. Anderseits sind die äußeren Gegebenheiten zu berücksichtigen. Es ist herauszufinden, welche Hindernisse der Realisierung im Wege stehen und wie diese beseitigt werden können. Dabei treten wir auch in den Austausch mit den Mitmenschen. Als Resultat entsteht eine Vorstellung, nach dem sich unsere tatkräftige Person ihr Handeln ausrichtet und der Schritt erledigt wird.
So wird das „Klarheit schaffen“ genutzt, um eine gute Vorstellung für das Verwirklichen einer Aufgabe zu schaffen. Für jeden Schritt wird eine Vorstellung entwickelt, die dann in die Realität gebracht wird. (Für ein Beispiel siehe: Jonglieren lernen). Wir können den aktiven Menschen mit einem Wildpferd vergleichen, der voller Energie und Tatendrang seine Aufgabe wahrnimmt.

Für unseren Veränderungsprozess bedeutet das: Ist eine attraktive Idee gefunden (Schritt 3), so wird der Entschluss getroffen, sie zu verwirklichen (Schritt 4). Damit ist auch das Ziel und die Aufgabe definiert, nach der die Situation neu zu gestalten ist (Schritt 5). Weiter wird die Aufgabe geklärt (Schritt 6) und vermittelt (Schritt 7). Es werden einzelne Schritte definiert. Schritt für Schritt wird eine Vorstellung entwickelt, nach der die Situation dann neu gestaltet wird (Schritt 8).
Fazit
Um Klarheit zu schaffen, ist die Reihenfolge der einzelnen Schritte in dem Veränderungsprozess dem jeweiligen Wesenskern anzupassen. So verfolgt ein Klarheit schaffender Berater das Ziel, eine Lösung zu schöpfen, die für die Situation eine Ordnung schafft. Das Klarheit schaffen ist für ihn ein gewisser Selbstzweck. Eine eigenständige Person will auch Klarheit schaffen, denn damit kann sie ihr Ziel erreichen, einen attraktiven und tragfähigen Entschluss zu treffen. Und ebenso will eine aktive Person Klarheit schaffen, um die einzelnen Schritte bei dem Verwirklichen ihrer Aufgabe erfolgreich zu meistern. Und so weiter.
So können alle Wesen ihre Ziele verwirklichen, indem sie Klarheit schaffen, indem sie für ihre zentrale Frage ein bewusstes Lösungsbild schöpfen und danach ihr Handeln ausrichten. Dabei führt der Weg ins Miteinander. Denn eine aktive Person möchte aktiv sein. Ihr liegt das Klarheit schaffen vielleicht weniger. Doch im Austausch mit unserem Berater können Vorstellungsbilder entstehen, um die gestellte Aufgabe erfolgreich zu meistern.
