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Überwinden des inneren Kritikers

Kennen Sie das auch? Sie haben etwas vor. Sie wollen etwas machen. Doch sofort meldet sich der innere Kritiker zu Wort: Du kannst das nicht. Du schaffst das nicht. Das wird doch nie etwas. Und so wird unser Elan ausgebremst. Stattdessen plagen uns Selbstzweifel, wir werden verzagt und schließlich lassen wir die Sache sein.

Doch wie können wir den Kritiker überwinden?

Wie können wir unsere Aufgaben gut erledigen? Nun, zuerst haben wir herauszufinden, was unsere Stärken sind. Bei welchen Tätigkeiten leben wir auf? Der eine lebt auf, wenn er etwas machen und tun kann, ein anderer lebt auf, wenn er eine Frage klären kann, Ziele definieren kann oder einen Entschluss treffen kann. Und so ist es sehr zweckmäßig, seine prägende Persönlichkeitseigenschaft zu kennen, und danach seine Tätigkeiten und Aufgaben gezielt auszurichten.

Die verschiedenen Persönlichkeitseigenschaften sind bei allen Menschen ganz individuell ausgeprägt. Dabei lassen sich 9 universelle Grundeigenschaften unterscheiden, von denen es jeweils eine gibt, die einen Menschen maßgeblich prägt (siehe: Werde, der Du werden kannst). Doch betrachten wir ein konkretes Beispiel: eine Person, deren zentrale Wesenseigenschaft es ist, aktiv zu sein. Und dieses Aktivsein greifen wir jetzt auf, um es zu einem ganz individuellen Ausdruck zu bringen.

Die universelle Eigenschaft des Aktivseins können wir vergleichen mit einer Kugel, die wir jetzt in eine Ebene projizieren, die für unser Leben steht. Und dabei projiziert jeder Mensch die Aktivität anders in sein Leben, oder anders ausgedrückt: jeder gibt der Aktivität seinen ganz eigenen Ausdruck. Etwa bringt der eine Mensch sein Aktivsein bei seiner Arbeit zum Ausdruck, die er gewissenhaft, sorgfältig und ausdauernd erledigt. Und ein anderer Mensch ist eher der Künstler, der inspiriert ist, seine eigenen Vorstellungen aufgreift und verwirklicht.

Unser Leben ist geprägt durch Polaritäten

Dabei sind sich der Arbeiter und der Künstler häufig nicht grün. Vielleicht sagt der Arbeiter vom Künstler, dass er ein Luftikus sei, der in seiner Traumwelt lebt und sich nicht für eine konkrete Aufgabe einbinden lässt. Und der Künstler sagt vom Arbeiter, dass er langweilig sei, ohne inneren Antrieb und ohne Inspiration.

Doch fehlt dem Künstler oft die Ausdauer, das Gewissenhafte, um sein Werk zu vollenden, während dem Arbeiter häufig die Leichtigkeit und Freude an der Tätigkeit fehlt. Und deshalb schauen sich der Künstler und der Arbeiter auch durchaus neidvoll an.

Der Künstler und der Arbeiter sind Gegensätze, die sich abstoßen aber auch anziehen. Und dabei hat jeder Mensch Anteile des Arbeiters sowie des Künstlers. Doch wir sind uns dieses Zusammenhangs meistens nicht bewusst. Stattdessen führen der Arbeiter und der Künstler ihren Streit in unserem Unterbewusstsein. Und dieser innere Streit bremst uns aus und führt allzu oft dazu, dass unser Elan, mit dem wir eine Aufgabe angehen, nutzlos verpufft.

Wie können wir die Pole überwinden?

Zuerst haben wir die Pole klar herauszustellen. Und dabei stellen wir fest, dass es Situationen gibt, in denen wir mehr der Arbeiter sind und andere, in denen wir mehr der Künstler sind. Und dann stecken wir unsere Energie in die Entwicklung dieser Persönlichkeitseigenschaften.

Dafür stellt sich etwa der Arbeiter die Fragen: Wie möchte ich meine Aufgaben erledigen? Was heißt es für mich, sorgfältig zu sein? Was bedeutet für mich, gewissenhaft zu sein? Wie werde ich zuverlässig? Als Resultat entsteht ein Bild, wie der Arbeiter seine Aufgabe erledigen möchte. Vielleicht können wir es mit einem Arbeitspferd vergleichen. Ebenso entwickeln wir ein Bild für den Künstler, den wir etwa mit einem temperamentvollen, wilden Araberhengst vergleichen können.

Je klarer wir die Bilder entwickeln, wie wir das Aktivsein verwirklichen, umso mehr tritt der Kritiker in den Hintergrund. So können wir in der einen Situation selbstbewusst der Arbeiter sein und in einer anderen Situation der Künstler.

Bei dem Vorgehen bleiben die Gegensätze allerdings noch bestehen. Doch wir können den Bogen weiterspannen, indem wir uns fragen: Wie können wir die Gegensätze überwinden? Wie kommen wir zu einem konstruktiven Zusammenwirken des Arbeiters und des Künstlers?

Jetzt können wir die beiden Pole nicht überwinden, indem wir versuchen, die Eigenschaften des Arbeiters und des Künstlers direkt zusammenzubringen. Dabei entstehen nur weitere Gegensätze und sofort meldet sich unser innerer Kritiker zu Wort.

Es braucht den Gegenpol!

Wir haben uns zu fragen: Was ist der Gegenpol des Aktivseins? Es ist die Neuausrichtung! Denn bei der Aktivität fehlt uns allzu leicht die Ausrichtung, was wir mit unserer Tätigkeit eigentlich bezwecken wollen. Und ebenso verliert sich die Neuausrichtung allzu leicht im Planen und Betrachten, wobei das Machen und Tun auf der Strecke bleibt.

Bei der Neuausrichtung formen wir ein konkretes Ziel, nachdem wir unser Handeln ausrichten wollen. Gleichzeitig haben wir von dem Alten, von dem Bestehenden loszulassen, um den Platz für das Neue zu schaffen. Auch hier treffen wir auf Pole: der Anführer gibt die Ziele vor und ist geprägt durch den Willen zur Tat, während wir beim Loslassen zur Ruhe kommen und entspannen.

Wir können den Anführer mit einer Leitstute vergleichen, während wir das Loslassen bei den weidenden Pferden finden, die oft einfach nur gelassen auf der Wiese herumstehen.

Ein Weg zum konstruktiven Zusammenwirken

Wie können wir jetzt die Gegensätze überwinden? Dafür brauchen wir eine verbindende Frage. Etwa:

Wie können wir unser Ziel verwirklichen?

Und diese Frage ist in einem zyklischen Prozess zu beantworten, wobei die verschiedenen Persönlichkeitseigenschaften zusammenwirken:

  1. Zuerst formuliert der Anführer ein Ziel und steckt grob den Weg zum Ziel ab.
  2. Der Künstler formt einen konkreten Schritt in Richtung des Ziels,
  3. der dann von dem Arbeiter durchgeführt wird.
  4. Anschließend halten wir Inne, kommen zur Ruhe und betrachteten das Ergebnis. Weiter fragen wir uns: wo bedarf es noch Anpassungen oder Korrekturen? Entsprechend wird das Ziel konkretisiert, der nächste Schritt geformt und umgesetzt. Und so weiter und so fort – solange, bis das Ziel verwirklicht ist.

Im konstruktiven Zusammenwirken von Personen mit den entsprechenden Persönlichkeitseigenschaften können wir unseren inneren Kritiker überwinden. Dabei werden die unterschiedlichen Vorstellungen und Einstellungen gezielt eingebracht und für die Beantwortung der verbindenden Frage ausgerichtet.

Das Vorgehen wird als eine Art Rollenspiel durchgeführt, indem die Beteiligten nacheinander in die jeweiligen Rollen schlüpfen und gemeinsam die einzelnen Schritte gestalten. Dabei sorgt der Austausch der unterschiedlichen Persönlichkeitseigenschaften dafür, dass das Resultat tragfähig und attraktiv wird. Die wesentliche Voraussetzung bei dem Prozess ist, dass die Beteiligten sich auf Augenhöhe begegnen und sich keiner zum Chef erhebt, der den anderen vorschreibt, was sie zu tun und zu lassen haben. Außerdem hat den Beteiligten die Beantwortung der verbindenden Frage wichtiger zu sein, als ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen.

Fazit

Um den inneren Kritiker zu überwinden, nutzt es nichts, ihm den Kampf anzusagen. Denn dann sind wir gefangen in dem Dagegen, in das wir unsere gesamte Energie stecken, wobei jedoch meistens nichts Konstruktives entsteht. Erfolgsversprechender ist es, die Energie in die Entwicklung unserer prägenden Persönlichkeitseigenschaften zu stecken und sich in ein konstruktives Miteinander mit dem Gegenpol einzubringen, um gemeinsam eine Lösung für eine verbindende Frage zu schöpfen. So können wir im Miteinander die inneren Kritiker überwinden.

Weiteres zum Thema:

Vielfalt im Einklang – Der Artikel gibt eine kurze Beschreibung, wie wir in einem konstruktiven Miteinander attraktive Antworten auf Fragen entwickeln können.

Der mittlere Weg  – in dem Artikel wird der Ansatz für das Miteinander ausführlich vorgestellt und auf alle zentralen Persönlichkeitseigenschaften angewandt.

Lasst es uns gemeinsam tun – Der Artikel enthält Beispiele, wie wir das Miteinander nach dem beschriebenen Vorgehen gestalten können.

Werde, der Du werden kannst – Dieser Artikel beschreibt, wie wir unsere prägende Persönlichkeitseigenschaft herausfinden und in unserem Leben zum Ausdruck bringen können.