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Für etwas sein!

Wir Deutschen gelten als das Volk der Kritiker. So sagen manche Ausländer über uns:

Die Deutschen pressen eine Zitrone so lange aus, bis sie bitter schmeckt.

Ja das Dumme an all unserer Kritik ist, an all unseren Meinungen und Ansichten, die wir über eine Sache äußern: die eigentliche Sache wird dadurch nicht unbedingt besser. Oft wird sie zerredet. Es wird viel Wind verursacht. Und das Resultat ist häufig enttäuschend. Die Zitrone wird bitter. Dabei sollte der Saft der Zitrone uns eigentlich erfrischen. Doch wie kommen wir dahin? Wie schaffen wir gute Lösungen für unsere Fragen und Probleme? Lassen Sie es mich an einem Bild veranschaulichen. Fragen wir uns:

Wie trennen wir das Erz vom Gestein?

Dafür gibt es zwei Ansätze:

  1. Entweder stecken wir unsere Energie in das Gestein. So fangen wir an, das Gestein zu entfernen: wir schlagen es ab, wir feilen, wir schmirgeln und polieren. Dabei schauen wir immer genauer und finden immer weitere Gesteinsspuren, die wir entfernen.
  2. Oder wir richten unser Interesse auf das Erz. Wir erhitzen das Gemenge. Das Erz fängt an zu leuchten. Schließlich schmilzt es und das Gestein fällt als Schlacke ab. Dann haben wir den wahren, den reinen Charakter des Erzes zum Ausdruck gebracht.

In dem ersten Fall stecken wir unsere Energie, unsere Kraft und unsere Aufmerksamkeit in das, was wir eigentlich gar nicht wollen, das dem Erreichen unseres Zieles im Wege steht. Es ist die Rolle des Kritikers, der eine Sache eingehend betrachtet: von rechts und von links, von oben und von unten. Und hat der Kritiker eine Gesteinsspur aufgespürt, so wird sie entfernt.

Dahinter tritt die eigentliche Situation, das, was wir wirklich wollen, allerdings oft in den Hintergrund. Denn wir wollen doch das Erz! Wir wollen attraktive Lösungen für unsere Fragen und Probleme! Und dafür haben wir unsere Energie in das Erz zu stecken, in die Entwicklung der Lösungen! Wir haben dafür zu sorgen, dass die Lösungen möglichst attraktiv und tragfähig werden. Doch wie kommen wir dahin?

Eine Lösung entwickeln

Dafür fragen wir uns zuerst: Was wollen wir wirklich? Wo drückt der Schuh? Was ist unser zentrales Bedürfnis? Was ist in der Situation das Wesentliche? Indem wir das Wesentliche aufspüren, also die zu Grunde liegende universelle Gesetzmäßigkeit, die in der Situation verwirklicht werden möchte, treten unsere Fragen und Zweifel über die Situation in den Hintergrund. Im Lichte des Wesentlichen erkennen wir, was in der Situation zu tun ist, was die Situation erfordert und zu einer Lösung gebracht werden möchte.

Weiter erheben wir das Wesentliche zum führenden Maßstab in der Situation, nach dem wir unser Denken, Fühlen und Handeln ausrichten. Im Bewusstsein des Maßstabs können wir einerseits unser Anliegen souverän nach außen vertreten, und andererseits werden wir selbst aktiv. Denn ist uns das Wesentliche ein wirkliches Anliegen, dann wirkt es als Quelle unserer Schöpferkraft!

Wir finden Ideen, die wir weiter zu Lösungen konkretisieren und nach denen wir die Situation neu gestalten. Doch wir haben darauf zu achten, dass wir unsere Schöpferkraft konstruktiv einsetzen. Dafür stellen wir unsere Ideen und Lösungsansätze immer wieder auf den Prüfstein. Wir fragen uns, wie die Lösung zu unserem Maßstab passt und was noch zu ändern und zu verbessern ist. So entwickeln wir bestmögliche Lösungen für unsere Fragen.

Bei dem Vorgehen können wir uns an einem Veränderungsprozess orientieren:

Der Prozess besteht aus 10 Schritten. In der Abbildung erstreckt er sich aus dem Inneren der Spirale, aus der Enge der Anfangssituation hinaus in die Weite der neu gestalten Situation. Dabei ist der Prozess in 5 Phasen unterteilt, die durch die Rauten in der Spirale voneinander getrennt sind. Jede der Phasen ist mit einer führenden Frage verknüpft, die in dem Zusammenspiel der zugehörigen Prozessschritte zu einer Antwort geführt werden.

Der springende Punkt

bei dem Vorgehen ist, dass wir uns nach dem Wesentlichen ausrichten. Und das haben wir zu Anfang herauszufinden. Wir haben zu erkennen, was das Erz in der konkreten Situation ist, was wir in der Situation wirklich wollen.

Es ist wie bei einem Arzt, der eine Diagnose stellt. Er schaut, er untersucht, bis er das Übel zu packen kriegt. Und hat der Arzt eine treffende Diagnose erstellt, dann bildet sie die Grundlage für eine erfolgreiche Heilung.

Und wir Deutschen können das! Als anerkannte Kritiker sind wir in der Lage, ähnlich einem Arzt, das Wesentliche in einer Situation aufzuspüren. Dabei machen wir uns jetzt nicht Gedanken über die Situation, sondern fragen uns: Was macht die Situation in ihrem Wesen aus? Wir betrachten sie und entfernen all das überflüssige Gestein, bis wir das Erz, bis wir das Wesentliche erkannt haben. (Siehe auch: Wie können wir seelische Bedürfnisse erkennen?)

Dann erheben wir das Wesentliche zum führenden Maßstab. Dadurch wird unsere Schöpferkraft aktiviert. Wir können mit Phantasie, mit neuen Ideen, mit Hingabe, mit Courage, Konsequenz und Ausdauer das Wesentliche in die Realität bringen. (siehe auch: Das Wesentliche ist der Quell der Lebenskraft) Dabei stecken wir unsere Energie in das Erz, bis die Schlacke abfällt, bis wir eine attraktive Lösung verwirklicht haben.

Die Ausrichtung nach dem Wesentlichen bietet auch die Grundlage für ein konstruktives Zusammenwirken. Dann raufen sich der Kritiker, der Schöpfer, der Beobachter, Forscher, Künstler, Entscheider, Lehrer, Macher, Philosoph bereitwillig zusammen, damit möglichst attraktive und tragfähige Lösungen entstehen. (siehe auch: Eine Kultur des bewussten Seins)

Fazit

Wir brauchen heute Menschen, die etwas aufgreifen und verwirklichen, das unser Leben tatsächlich bereichert. Von ihnen hängt unsere Zukunft ab!

Der Veränderungsprozess weist dafür einen praktikablen Weg. Dabei erklären wir das Wesentliche in der Situation zu unserem führenden Maßstab. So erkennen wir einerseits, was uns selbst ausmacht und wie wir dies zu einem schöpferischen Ausdruck bringen. Andererseits entsteht die Bereitschaft, im konstruktiven Miteinander attraktive und tragfähige Lösungen zu entwickeln. Das Mittel dabei sind unsere Gespräche.