Allgemein versteht man heute unter einem Mediator einen Streitschlichter. Also eine Person, die zerstrittene Parteien zusammenführt, so dass sie gemeinsam eine attraktive Lösung für ihren Konflikt finden.
Ich sehe die Rolle des Mediators allgemeiner. Für mich ist der Mediator eine Person, die eine Situation nach dem Wesentlichen ausrichtet und damit eine Ordnung schafft, die das Leben bereichert.
Dabei kann das Resultat sehr unterschiedlich sein. Etwa kann für eine Person eine befreiende Lebensperspektive entwickelt werden, ein Problem gelöst, eine innovative Idee herausgearbeitet, eine Frage geklärt, ein Entschluss getroffen oder auch ein Streit geschlichtet werden.
Bei dem Vorgehen frage ich mich zuerst: „Was ist das Wesentliche in der Situation?“ Und habe ich das Wesentliche auf den Punkt gebracht, dann wird dafür im Miteinander eine attraktive und tragfähige Lösung geschaffen und verwirklicht. Dabei aktiviert die Ausrichtung nach dem Wesentlichen unsere Schöpferkräfte. Es öffnet sich ein neuer gestalterischer Raum. Wir finden Ideen jenseits der ausgetretenen Pfade, die zu einer wirklich befreienden Veränderung führen können.
Das passende Motto dazu habe ich bei Joseph von Eichendorff gefunden:
Schläft ein Lied in allen Dingen
Denn in jedem Ding, in jeder Situation, in jedem Lebewesen sowie auch in uns Menschen gibt es etwas Wesentliches, das zu einem Ausdruck gebracht werden möchte. Und wir Menschen haben die großartige Möglichkeit, dieses Wesentliche aufzuspüren und es weiter aufzugreifen und zu einer Lösung zu bringen.
Dabei will ich niemanden belehren. Ich will keine Theorie vermitteln oder jemandem vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat. Stattdessen gebe ich einen passenden Stups. Also eine Anregung, die die Menschen selbst erkennen lässt, was eigentlich das Wesentliche in der Situation ist und wie sie es verwirklichen können. So kann ein passender Stups die Schöpferkräfte aktivieren. Die Menschen kommen selbst in die Spur, eine attraktive und tragfähige Lösung für ihre Situation zu entwickeln. (siehe auch: Ein kleiner Stups gefällig?)
Der Stups öffnet eine kleine Pforte abseits der ausgetretenen Pfade, die einen neuen Weg aufzeigt, auf dem wir die Schwierigkeiten, Probleme und Fragen gemeinsam überwinden können.
