Tam tam ta - tam tam ta - tam tä
Tam tam ta - tam tam ta - tam tä
Tam tam ta - tam tü
Tam tam ta - tam tü
Tam tam ta - tam tam ta - tam tä.
Kennen Sie das? Wissen Sie, was das ist? Das ist das Reimschema eines Limericks. Die erste und zweite Zeile reimen sich aufeinander und haben drei Hebungen:
Tam tam ta - tam tam ta - tam tä Tam tam ta - tam tam ta - tam tä
Die Dritte und vierte Zeile sind kürzer. Sie haben nur zwei Hebungen und reimen sich auch aufeinander:
Tam tam ta - tam tü Tam tam ta - tam tü
Und die fünfte Zeile ist wieder länger, hat drei Hebungen und reimt sich auf die ersten beiden Zeilen:
Tam tam ta - tam tam ta - tam tä.
Und ein Limerick ist jetzt ein Gedicht in diesem Reimschema. Also zum Beispiel:
Vor 2000 Jahren war es geschehn, da mussten die Römer nach Hause gehn. Mit kräftigen Hieben von Hermann vertrieben – drum ist er als Denkmal im Wald zu sehn.
Schön und gut. Doch das ist noch kein echter Limerick. Es ist ein Gedicht in der Reimform eines Limericks und beschreibt einen Sachverhalt, einen Fakt. Sicher, auch ganz nett, doch ein Limerick ist mehr. Ein echter Limerick hat eine Pointe, enthält einen Witz, irgendeinen Unsinn, etwas Hintersinniges, Freches oder durchaus auch Unverschämtes, etwas das den Leser lachen oder zumindest lächeln lässt. Und so können wir unseren wackeren Hermann einmal in einem etwas anderen Licht betrachten:
Tusnelda mit ihren ewigen Klagen, war für den Hermann nicht mehr zu ertragen: Bevor ich die Frau im Ansatz durchschau, werd‘ ich doch erstmal die Römer verjagen!
Ah ja! Jetzt kommen wir dem echten Limerick schon näher. Sie finden das respektlos? Na wir haben den Hermann ja nun nicht von seinem Podest gestürzt, sondern ihn vielleicht etwas menschlicher gemacht. So darf man sich bei den Limericks durchaus über die bestehenden Normen und Vorstellungen hinwegsetzen, sie hinterfragen und sie in ein neues Licht rücken. Und dabei sind den Themen, dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.
Doch wie entstanden nun die Limericks?
Fünfzeiler in Reimform eines Limericks finden sich schon bei Shakespeare und auch in alten englischen Gedichtsammlungen treten sie vereinzelt auf. Doch da fehlte der Witz und populär wurden die Verse auch nicht. Das verdanken wir dem Engländer Edward Lear. Er schrieb seine ersten Gedichte so ab 1835 und illustrierte sie entsprechend. Hier ein Beispiel:
There was an old man with a beard, who said: „It’s just as I feared! – two owls and a hen four larks and a wren, have all build their nests in my beard.
Hans Magnus Enzensberger hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Limericks von Edward Lear ins Deutsche zu übertragen. Hier der Vers in seiner freien Übersetzung:
Sobald dieser Jüngling gewahrt, was sich bei im herumscharrt, an Hühnern, Pirolen, Eulen und Dohlen, verflucht er gewiss seinen Bart.
Über den Sinn seiner Verse befragt, sagte Edward Lear: „Sie sind Unsinn, reiner und absoluter Unsinn, das ist ihr einziger Zweck.“ 1846 veröffentlichte er mit dem „Book of Nonsense“ seine erste Gedichtsammlung. 1855 gab es eine 2. Auflage, doch erst die dritte Auflage, die 1861 erschien, wurde zum Erfolg. Danach gab es in rascher Folge weitere Auflagen. Der Limerick wurde in England populär.
Er verbreitete sich wie eine Seuche. Limericks auszutüfteln und zu erzählen wurde auf der Insel zu einem regelrechten Volkssport. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gilt der Limerick als Inbegriff des britischen Humors. Er ist so britisch wie die Queen, wie Cricket oder Porridge. Und für jeden englischen Schriftsteller gehört es zum guten Ton, Limericks zu verfassen. Der exzentrische schottische Autor Norman Douglas setzte noch eins drauf indem er erklärte: „Jeder aufrechte Engländer wird sein Leben als verwirkt ansehen, solange er nicht mindestens einen selbstverfassten Limerick unter das Volk gebracht hat!“ Oh ha, das klingt schon very britisch.
Die Entwicklung des deutschen Limericks
Und wie entwickelte sich der Limerick in Deutschland? Nun, die Anfänge waren sehr zurückhaltend. Die ersten Versuche startete der Journalist Curt Peiser 1922. Dabei ließ er sich von einem britischen Vorbild leiten. Denn auf der Insel waren Limerick–Wettbewerbe sehr beliebt, in denen die ersten 4 Zeilen vorgegeben waren und die Leser jetzt aufgefordert wurden, die fünfte Zeile mit einer möglichst guten Pointe hinzuzufügen. So stellte Curt Peiser in dem Kulturmagazin „UHU“ die Aufgabe:
Ein Knabe aus Tehuantepec lief auf der Bahn seiner Tante weg. Sie lief hinterher, denn sie liebte ihn sehr, ???
So und hier ist jetzt eine originelle fünfte Zeile hinzuzufügen. Den Wettbewerb gewann die Fortsetzung:
und außerdem trug er ihr Handgepäck.
So entstand der erste deutsche Limerick. Doch die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Es war ein kurzes Strohfeuer, das da aufflammte und schnell wieder erlosch. Curt Peiser konnte den Limerick in Deutschland nicht populär machen.
Stattdessen kam man zu dem Schluss: Limerick-Schreiben ist ja gar nicht so einfach. Und man begann, englische Limericks zu übersetzen, anstatt eigene Verse zu verfassen. Etwa von William Cosmo Monkhouse:
A smiling young lady from Riga went out for a ride on a tiger. They returned from the ride, with the lady inside and the smile on the face of the tiger.
Ja die Dame aus Riga, das ist wohl der Klassiker unter den Limericks. Hier in einer Übersetzung von Adam Kuckhoff:
Da war mal ne Dame aus Riga, die macht‘ einen Ritt auf nem Tiger. Von dem Ritte zurück, grinst der Tiger vor Glück – und die Dame stak drin in dem Tiger.
Schön und gut. Da hatte sich der Adam Kuckhoff so richtig Mühe gegeben, den Limerick ins Deutsche zu übertragen. Doch irgendwie beschleicht einen bei der Übersetzung das Gefühl: da fehlt etwas, das passt irgendwie nicht so recht. Denn ein Limerick ist halt nicht nur die reine Information, die übermittelt wird, es braucht auch den gefälligen sprachlichen Stil, den sprachlichen Witz, der den Vers zum Leben bringt und die Pointe unterstreicht. Und das geht bei der Übersetzung schlicht verloren.
So machte sich in Deutschland die Einstellung breit: Der Limerick sei eine durch und durch britische Angelegenheit. Es brauche einerseits den britischen Humor, um überhaupt Einfälle für witzige Limericks zu finden, und andererseits brauche es die knappe, die klare und konkrete englische Sprache, um einen Limerick treffend und prägnant formulieren zu können. Tja, was soll man dazu noch sagen? Mit dieser Einstellung versandeten die ersten Versuche in Deutschland, Limericks zu verfassen.
In den 60ziger Jahren unternahm der Schweizer Kabarettist César Kaiser einen neuen Anlauf. Der kannte die englischen Limericks ganz genau. Doch anstatt sie zu kopieren, stattete er seine Verse mit einem eigenen Humor aus:
Es lebte ein Mann in Gibraltar, der badete nur jedes Schaltjahr. Das heißt: eigentlich nein, denn zuletzt ließ er’s sein da das Schaltjahr in Gibraltar zu kalt war.
César Kaiser brachte die Limericks auf die Bühne und ermutigte auch andere, ihm nachzueifern. So auch Georg Bungter und Günther Frorath, die 1969 eine erste Sammlung deutscher Limericks herausbrachten. Die Blödelbarden Schobert und Black griffen die Verse auf und machten daraus kleine Liedchen, die sie zum Besten gaben. Dadurch erlangte der Limerick eine gewisse Popularität. Jetzt möchte ich Sie davor bewahren, dass ich hier etwas vorsinge. Doch einen Limerick vorzulesen, also das kann ich mir dann doch nicht verkneifen:
Es hatten die Recken vor Troja, zu essen nichts mehr als nur Soja. Da lief der Refektor bekümmert zu Hektor, doch der sagte nur: Ach so, ja?
Ah, der hat Ihnen gefallen? Möchten Sie etwa noch einen hören? Na gut:
Es warn einer Milchkuh in Hull
des middags de Euter schon prull.
Doch ahnungslos fraß
die Guh weiter Gras
und gechen halb sechs gabs'n Knull.
Und ja, merken Sie es? Da war er auf einmal: der deutsche Limerick – einfach, knapp und klar in der Sprache und mit einem ganz eigenen Witz. Und die Verse brauchen den Vergleich mit den englischen Limericks keinesfalls zu scheuen. Das Limerick-Fieber war in Deutschland angekommen! Seitdem finden sich immer wieder Limerick-Infizierte, die Verse austüfteln, sie weitererzählen, in Sammlungen veröffentlichen, oder Lesungen veranstalten. Im Internet gibt es mehrere deutsche Limerick Portale und immer wieder werden Wettbewerbe veranstaltet. Wenngleich, so richtig populär wurde der deutsche Limerick nie. Das mag auch daran liegen, dass bekannte Autoren wie etwa Heinz Erhardt, Eugen Roth oder Robert Gernhardt über Limericks wohl eher die Nase gerümpft haben. Zumindest haben sie keine Nennenswerten verfasst.
Und wie bin ich jetzt zu den Limericks gekommen? Das geht zurück in meine Kindertage. Da begab es sich, dass eine nicht ganz jugendfreie Limericksammlung über lange Zeit bei uns zu Hause auf der Toilette lag. Und was soll ich sagen, manch eine Sitzung ist deutlich länger ausgefallen, da ich so tief in die Lektüre des Büchleins versunken war. Und das prägt. Noch nicht in meiner Kindheit, doch später gingen mir immer wieder Limericks durch den Kopf, und schließlich fing ich an, selbst welche zu verzapfen. Zuerst wurde die Verwandtschaft durch den Kakao gezogen. Doch bald schon weiteten sich die Themen aus. Und so, die Eitelkeit sei mir verziehen, möchte ich hier doch einen meiner Verse zum Besten zu geben:
Auf der Sparrenburg lebte ein Ritter,
der hatte im Hintern einen Splitter –
doch er musste noch reiten
durch Ravensbergs Weiten –
oh man, da litt er, der stolze Ritter.
Der Limerick in der DDR
Nun ist der Limerick ja eine muntere Blödelei. Nonsense halt. In der DDR hingegen erlangte der Limerick eine gewisse Popularität als Satire. Die Zeitschrift Eulenspiegel bot dafür eine Rubrik. Neben den rein lustigen Limericks wagten sich die Autoren an die Gratwanderung, Limericks zu verfassen, die eine Begebenheit auf die Schippe nahmen, ohne dabei den strengen Augen der Zensur zum Opfer zu fallen. Dabei hatten es generell Limericks schwer, die etwas Fremdes, etwas Exotisches ansprachen, wofür es in der DDR keinen Platz gab oder was für die Bürger unerreichbar war. Einer der Autoren war Burkhard Heinrich, von dem die folgenden Beispiele stammen. Und dabei werde ich sturer Ostwestfale mal versuchen zu sächseln:
Es kam mal ein Schotte nach Mailand,
für den war Italien noch Nailand,
doch nachts in Milano
merkt er, dass Cinzano
ihm wohltut wie Scotch from the Hailand.
Das war Zuviel des Guten. Diese Anspielungen auf Italien und Schottland, auf Cinzano und Scotch, das passte nicht in den DDR-Alltag und fand keine Gnade vor der Zensur. Doch Verbote fordern auch die Kreativität heraus! So entstanden Verse, die einerseits das Fremde ansprachen und dabei gleichzeitig die Hürde der Zensur passierten:
Ein Mann, und er liest dabei Shakespeare,
fragt: „Ober, wann bring Sie die Stakesmeare?“
Der Ober liest mit
und weicht keinen Schritt;
er murmelt nur: „Ich überlakesmeare…“
Anspielungen auf England fanden oftmals Gnade vor der Redaktion. Hier merkten die Zensoren, dass sie offen sein mussten, um am Weltgeschehen teilzunehmen. Dagegen waren Limericks mit Westdeutschen Städtenamen prinzipiell tabu, da führte kein Weg hinein. Zum Beispiel:
Ein Warenhausdieb aus Hannover nahm immer noch einen Pullover. Mit dem dreizehnten Stück war er doppelt so dick, nur der Hausdetektiv war noch doofer.
Erst als in diesem Limerick die erste Zeile „Ein Warenhausdieb aus Hannover“ abgeändert wurde in: „Ein Warenhauskunde aus Dover“, fand der Vers Gnade vor der Zensur und konnte veröffentlicht werden.
Heute fragen wir uns allerdings: was soll denn da der Witz sein? Wir können den Hintersinn des Autors, sein Ringen mit der Zensur, oft nur schwer nachvollziehen. In der ehemaligen DDR hatten diese Limericks ihre Bedeutung und ihre Fangemeinde. Doch das ist lang her. Heute, über 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, da fristet der Limerick auch in der ehemaligen DDR sein Dasein eher im Verborgenen.
Wie schreib ich einen Limerick?
Soweit zur Geschichte des Limericks. Doch wie macht man jetzt einen frechen Limerick? Um darauf eine profunde Antwort zu bekommen, befragte ich den Bielefelder Limerick–Experten Dietrich Lemke. Er schilderte mir seine Art, einen Limerick zu verfassen, folgendermaßen:
Als erstes sollte man drei Wörter finden, die sich aufeinander reimen. Die braucht man ja als Schlusswörter für die drei Langzeilen, z.B. Köthen, flöten und tröten. Daraus ergibt sich fast von selbst das Thema des Limericks: Es muss irgendetwas mit Musik zu tun haben. Die Pointe sollte erst in der letzten Zeile gezündet werden und möglichst überraschend sein. Das Ergebnis in diesem Fall:
Es war ein Trompeter in Köthen,
der ging zum Posaunenchor tröten.
Doch die übten zu oft,
und so ging unverhofft
ihm beim Tröten die Frau schließlich flöten.
Ausgangspunkt für diesen Limerick war ein Blick auf das Stationsschild Köthen während einer Bahnreise nach Sachsen. Wenn man die drei langen Zeilen schon hat, ist es viel leichter, noch die zwei kurzen dazwischen zu dichten. Dann noch ein kritischer Blick auf Silbenzahl und Betonungen: Hat man sich etwas verstolpert, muss noch nachgebessert werden, aber das ist in der Regel nicht so schwer. Und schließlich: Wenn beim Vortrag die Pointe zündet und das Publikum amüsiert ist, hat sich für den Dichter seine Mühe allemal rentiert. Soweit Dietrich Lemke.
Jetzt stellte ich jedoch erstaunt fest, dass ich einen ganz anderen Ansatz habe, um einen Limerick zu erstellen. Statt von einem Reimwort, gehe ich von einer Idee für den Limerick aus, von irgendeiner Begebenheit, einer kleinen Geschichte oder einem Witz. Zum Beispiel amüsiert es mich immer wieder, wie Menschen ihre alten Gewohnheiten radikal umkrempeln können und dann das Neue als das einzig Wahre ansehen. Solche Bewusstseinsänderungen treffen wir etwa bei ehemaligen Rauchern, aber auch bei unseren Essgewohnheiten. Ja und das ist doch Stoff für einen Limerick! Und schon ist meine Fantasie angeregt: jetzt fange ich an zu tüfteln und zu fragen: Was ist eine geeignete Geschichte? Was sind die passenden Reimwörter? Wie kriege ich das Ganze in den Rhythmus? Und wie bringe ich die Pointe klar heraus? Es ist ein herrliches und durchaus kniffliges Spiel mit Sprache und munterem Blödsinn. Hier das Resultat:
Meine Tante trank gern ein Likörchen
und knusperte dazu Schweinsöhrchen.
Doch dann tat sie kund:
Ich leb jetzt gesund!
Jetzt sitzt sie bei Wasser und Möhrchen.
Egal auf welcher Weise Sie ihren Limerick erstellen – wichtig ist es immer, dass der Vers möglichst gut dem Limerick – Rhythmus entspricht. Bei aller inhaltlichen Freiheit verleiht der Rhythmus dem Limerick einen festen äußeren Rahmen. Und in einem guten Limerick passt alles zusammen: die Geschichte, die Pointe, die Sprache und der Rhythmus – wie in folgendem Beispiel unseres Bielefelder Limerick-Experten:
Es sprach eine Mutter: „Mein Spätzchen, du krümelst herum mit den Plätzchen! Ich dachte, das gibt sich, doch nun bist du siebzig und brauchst doch noch immer dein Lätzchen!“
Der Inhalt eines Limericks
Und was ist jetzt der passende Inhalt für einen Limerick? In England haben sich drei Kategorien herauskristallisiert:
- Zum einen Limericks, die wir feinen Damen erzählen können
- Dann Limericks für die Geistlichen und Intellektuellen
- Und als dritte Kategorie, die echten Limericks.
Jedes Jahr werden in England schätzungsweise zwischen 100 – 200 Limericks für die feinen Damen und Intellektuellen erstellt, während es bei den echten Limericks wohl mehrere 1000 sein dürfen. Doch finden diese echten Limericks nur selten Einzug in die Sammlungen oder auf das Siegertreppchen eines Wettbewerbs. Sie werden meistens nur hinter vorgehaltener Hand erzählt – wie schmutzige Witze.
Jetzt steht die heutige Lesung ja unter dem Motto: „Kultur unter der Platane“ und dabei sind wir natürlich um ein gewisses Niveau bemüht. Deshalb beschränken sich die hier genannten Limericks vorzugsweise auf die ersten beiden Kategorien. Doch oh! Bemerke ich da eine gewisse Enttäuschung? Sind Sie etwa neugierig geworden auf die echten Limericks?, auf Limericks, die provozieren, die Tabus brechen oder wenigstens an ihnen kratzen?, die das zur Sprache bringen, was normalerweise nicht gesagt wird, weil es sich schlicht nicht gehört? Na gut. Sie haben es so gewollt! Die hohe Kultur mag es mir verzeihen und die Platane, nun, die hat sicherlich schon Schlimmeres erlebt. Hier ein Beispiel aus dem Repertoire von Schobert und Black:
Es las jüngst ein Greis in der Rhön
ein Buch, das war etwas obszön.
Er sprach: "Das ist widerlich
entsetzlich und liederlich
voll Schmutz und obszön – aber schön!
So hatte sich unter den Limerick-Freunden schon recht früh die Vorstellung herausgebildet, dass gute Limericks durchaus schlüpfrig sein dürfen.
Der Bielefelder Limerick-Wettbewerb
Doch wie kam es jetzt zu dem Bielefelder Limerick-Wettbewerb? Anfang des letzten Jahres kam mir die Idee. Denn in der Corona Pandemie leiden wir alle so viel, auch wenn wir vielleicht gar nicht selbst von dem Virus infiziert wurden, so dann doch unter den ganzen Einschränkungen und den Lockdowns. Und bei dieser ganzen Misere droht uns der Humor schlicht abhanden zu kommen. Ach ja, da wäre es doch schön, mit einem Limerick-Wettbewerb etwas gegensteuern zu können. Den Humor zu beleben! Denn es ist doch der Humor, der uns schwere Situationen leichter ertragen lässt. Der Frau Günter von der Stadtteilbücherei in Brackwede gefiel die Idee. Sie hat sie mit aufgegriffen und aktiv dafür gesorgt, dass der Wettbewerb den passenden Rahmen fand, dass er bekannt wurde und überhaupt durchgeführt werden konnte. Und nicht zuletzt hat sie es hingekriegt, dass die Bezirksvertretung Brackwede ein Preisgeld zur Verfügung stellte.
Und das Corona-Virus lieferte unfreiwillig eine passende Geschichte für den Wettbewerb. Denn die heimischen Virologen hegen den Verdacht, auch in Brackwede könnte es Limerick-Infizierte geben. Die Symptome sind leicht zu erkennen: aufwärts gebogene Mundwinkel, stramme Lachmuskeln, ein kindlicher Sinn für jede Art von Mumpitz und der unbezwingbare Drang, Unsinn in feisten Versen auszudrücken. Doch zur Warnung sei gesagt: das Limerick-Fieber ist sehr ansteckend und ein Impfstoff nicht in Sicht. Um einer Pandemie vorzubeugen, möchten die Virologen die Infizierten isolieren und stellen deshalb besorgt die Frage:
Wer ist in Quirkendorp der Mann, der Limericks verzapfen kann – mit frechem Pfiff, den Reim im Griff, so dass man herzhaft lachen kann?
Ja, ja, jetzt mögen die Frauen sagen: Das ist doch wieder typisch! Da werden wieder nur die Männer angesprochen! Aber bitte beachten Sie, Limericks haben Tradition und so ist bei ihnen die Genderfrage nicht so wichtig. Doch seien Sie gewiss, auch infizierte Frauen werden dringend gesucht!
So riefen wir zu dem Brackweder Limerick-Wettbewerb auf, der dann noch zum Bielefelder Limerick-Wettbewerb erweitert wurde, und wir konnten uns über mehr als 140 eingesandte Verse freuen. Eine Jury sichtete die Limericks und ermittelte die Preisträger. In der Jury waren dabei:
- Marie Pankoke – Auszubildende in der Stadtbücherei Bielefeld
- Gina Just – Inhaberin der Buchhandlung Klack in Brackwede
- Ulrich Sonntag – ehemaliger Deutschlehrer am Gymnasium Brackwede
- Dietrich Lemke – Limerickexperte und ehemaliger Professor für Pädagogik
- und ich habe meinen Senf auch noch dazu abgegeben.
Und eigentlich war auch schon alles für eine Lesung vorbereitet, die wir dann allerdings wegen Corona kurzfristig abgesagt hatten. So wurden die Preise dann per Post verschickt und damit hatte ich mit dem Limerick-Wettbewerb irgendwie abgeschlossen.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, die zum Gelingen des Wettbewerbs mit beigetragen haben: Den Mitarbeiterinnen der Stadtteilbibliothek, den Juri-Mitgliedern, der Bezirksverwaltung und natürlich allen, die uns Limericks geschickt haben und an dem Wettbewerb aktiv teilgenommen haben.
Im Juni kam dann von der Stadtteilbibliothek die Anfrage, ob wir nicht doch noch eine Lesung machen wollen, in der wir die Preisträger mit ihren Limericks vorstellen. So und das machen wir jetzt. Und ich freue mich, dass doch vier der sechs Preisträger heute den Weg hierher gefunden haben und sich bereit erklärt haben, ihre Limericks vorzustellen und uns etwas darüber mitzuteilen, wie sie denn zu ihren Versen gekommen sind.
Hier geht es zu den Limericks der Preisträger: Limerick-Wettbewerb: Die Preisträger
