Für mich als Physiker ist die Vorstellung ganz selbstverständlich, dass hinter den Erscheinungen in unserer Welt universelle Gesetzmäßigkeiten existieren. Und kennen wir diese Gesetzmäßigkeiten, dann sehen wir in den Ereignissen in unserer Umwelt eine Ordnung. Dann können wir die Gesetzmäßigkeiten selbst aufgreifen und unser Handeln aktiv danach ausrichten.
Doch sind die Gesetzmäßigkeiten zuerst einmal verborgen. Sie sind nicht direkt sichtbar. So ist es das Bestreben der Physiker, die Gesetze der unbelebten Natur zu ergründen, um zu einem immer tieferen Verständnis zu gelangen. Und ist ein Naturgesetz aufgespürt, dann können wir Menschen es nutzen und in vielfältiger Form in unserem Alltag und in der Technik anwenden.
Die universellen Gesetzmäßigkeiten sind nicht auf die Physik, auf die unbelebte Welt beschränkt. In ähnlicher Weise gibt es auch Gesetzmäßigkeiten in der belebten Natur, die die Pflanzen, die Tiere und auch uns Menschen prägen.
Dafür habe ich neun seelische Grundbedürfnisse identifiziert. Diese Grundbedürfnisse sind das Wesentliche unseres Menschseins, sie prägen unsere Persönlichkeit, bestimmen unser Denken, Fühlen und Handeln.
Diese Grundbedürfnisse habe ich zu einem Veränderungsprozess verbunden, der es uns ermöglicht, in einer konkreten Situation das dominierende seelische Bedürfnis zu identifizieren, es weiter aufzugreifen und zu einer Lösung zu bringen.
Leben im Bewusstsein des Wesentlichen
Solange wir die universellen Gesetzmäßigkeiten nicht bewusst in unserem Leben berücksichtigen, können wir das Wesen der Dinge nicht erkennen. Stattdessen stochern wir im Nebel herum. Erst in Anbetracht der universellen Gesetzmäßigkeiten entsteht Klarheit. Dann wissen wir, was zu tun ist. Dann werden wir zu bewussten Gestaltern unseres Lebens und können eine befreiende Ordnung schöpfen. Das bewusste Wesentliche lässt sich vergleichen mit der aufsteigenden Sonne, die den Nebel auflöst.

Wir können es als einen Sinn des Lebens betrachten, in den verschiedenen Situationen das Wesentliche, die zugrunde liegende universelle Gesetzmäßigkeit zu erkennen, und danach unser Handeln bewusst auszurichten. (siehe auch: Der Sinn des Lebens)
Der Ansatz lässt sich in ein übergeordnetes Ideal zusammenfassen:
Das Wesentliche ist der Quell des Lebens.
Um das Ideal ins Leben zu bringen, haben wir das Wesentliche in den verschiedenen Situationen zu erkennen und zum Ausdruck zu bringen – für uns selbst sowie auch im Miteinander.
1. Das Wesentliche für uns selbst
Dafür fragen wir uns: Was ist meine wesentliche Persönlichkeitseigenschaft, die mich als Person prägt? Und haben wir diese herausgefunden, dann richten wir danach unser Leben aus. Wir spezialisieren uns auf die dominierende Persönlichkeitseigenschaft, die der eigenen Art zu sein entspricht, und bringen uns entsprechend in den täglichen Aufgaben ein. (siehe auch: Erkenne Dich selbst)
2. Das Wesentliche in den täglichen Situationen
Dafür betrachten wir die Situation und fragen uns, was ist hier das Wesentliche? Was möchte in der Situation eigentlich zum Ausdruck gebracht werden? Dabei stellen wir fest, dass wir die Unterstützung unserer Mitmenschen brauchen. Denn indem wir uns spezialisieren erkennen wir, dass wir die Unterstützung der anders geprägten Mitmenschen brauchen, um die täglichen Situationen zu meistern. Doch in Anbetracht des Wesentlichen, raufen sich die Personen zusammen und schaffen im konstruktiven Miteinander eine verbindende Ordnung. Durch die Ausrichtung nach dem Wesentlichen entsteht eine neue Kultur des Miteinanders. (siehe auch: Eine Kultur des bewussten Seins)

Der zentrale Diamant steht für das Wesentliche, für das die Beteiligten in der konkreten Situation eine Lösung schöpfen. Danach richtet sich jeder mit seinem Wesenskern aus und bringt sich mit seinen individuellen Fähigkeiten und Interessen ein – dargestellt durch die angedeuteten Personen in den verschiedenen Farben. Ist die Lösung gut herausgearbeitet, dann resultiert eine Ordnung, die Orientierung und Halt gibt und die Beteiligten mit einem verbindenden Einheitsgefühl erfüllt – der Liebe.
Voraussetzungen
Damit das Wesentliche in unserem Leben seine befreiende und ordnende Kraft entfalten kann, gibt es zwei zentrale Voraussetzungen:
- Zuerst einmal braucht es das Vertrauen, dass das Wesentliche überhaupt existiert. Der Punkt ist: wir kennen das Wesentliche zu Anfang nicht – weder bei uns als Person noch in einer Situation. Doch wir begeben uns auf die Suche und sind dabei im tiefsten Inneren davon überzeugt, dass es das Wesentliche tatsächlich gibt. Und zwar auch dann, wenn die Suche lange dauert und Mühen bereitet.
- Darüber hinaus braucht es das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten, das Wesentliche aufzufinden, es weiter aufzugreifen und zum Ausdruck zu bringen. Dieses Vertrauen können wir entwickeln. Denn haben wir das Wesentliche in einem ersten Ansatz erkannt, und die befreiende Wirkung in unserem Leben erfahren, so stärkt dies mehr und mehr die Zuversicht in die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Und gleichzeitig werden wir bereit, das für uns Wesentliche immer weiter zu hinterfragen und zu klären. Bis wir es schließlich klar auf den Punkt gebracht haben.
Das Vertrauen ist der springende Punkt!
Die Vorstellung, dass es etwas Übergeordnetes, etwas Wesentliches oder Universelles gibt, das sich in uns Menschen und unseren täglichen Situationen wiederfindet. Und dass wir Menschen die großartige Fähigkeit haben, dieses Übergeordnete zu erkennen und es bewusst aufzugreifen, um danach unser Leben zu gestalten. (siehe auch: Kosmos und Mensch)
Woher wir dieses Vertrauen schöpfen? Das muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden. So mögen die einen das Wesentliche als gottgegeben betrachten. Und dabei resultiert das Vertrauen aus ihrem Glauben. Andere mögen das Wesentliche als Teil der Natur ansehen. In dem Fall mag das Vertrauen daraus resultieren, wenn die Menschen erkennen, wie sich das Wesentliche in der Natur und in unserem menschlichen Verhalten manifestiert.
Doch egal wie dieses Vertrauen jetzt zu Stande kommt, stets haben wir Menschen dabei zu akzeptieren, dass es universelle Gesetzmäßigkeiten gibt, nach denen wir unser Leben erfolgreich und freudig gestalten können. Dass nicht wir selbst mit unseren eigenen Vorstellungen, Gedanken und Gefühlen der führende Maßstab in unserem Leben sind. Sondern dass uns häufig die eigenen Ansichten und Meinungen den Blick für das Wesentliche versperren, das eigentlich in unserem Leben verwirklicht werden möchte.
Fazit
Die Ausrichtung auf das Wesentliche kann unser Leben befreien, ihm einen Sinn und Inhalt geben. Es ist eine Lebensphilosophie, nach der wir uns selbst sowie die unterschiedlichsten Situationen bewusst ausrichten und unser Leben gestalten können.
