„Geht ein durch die enge Pforte;
denn weit ist die Pforte und breit der Weg,
der zum Verderben führt,
und viele sind, die durch sie eingehen.
Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg,
der zum Leben führt,
und wenige sind, die ihn finden.“
(Matthäus 7,13-14)
Ja wir Menschen möchten ein erfülltes Leben, ein sinnvolles Leben führen. Doch seien wir mal ehrlich: allzu gerne sind wir verhaftet in dem Bestehenden. Ja wir wollen die Veränderung! Die Menschen sollen in die Spur kommen, damit das Leben auf dieser Erde endlich gelingt. Die Politiker, die Unternehmer, die Gewerkschaftler, die Lehrer, die Handwerker, die Berater, die Ärzte…. und so weiter und so fort. Nur wir selbst, wir bleiben träge auf unserem Sofa sitzen. Denn wir führen ja ein so wunderbares Leben, das nicht verändert werden muss.
Doch wahre Veränderung beginnt bei jedem Einzelnen. Im Alltag. Jeder fange bei sich an. Jeder bringe sein Leben und seine Aufgaben in Ordnung. Nur wie kommen wir dahin? Meine Antwort: Indem wir wesentlich werden! Dabei stellt sich die Frage:
Was ist das Wesentliche?
Es ist das Mittel, mit dem wir unsere Aufgaben verwirklichen können. Das Wesentliche ist die gestalterische Möglichkeit, die in einer Person veranlagt ist und darauf wartet, befreit zu werden. Es sind neun Grundwesenheiten zu unterscheiden. Wir finden sie als innere Bedürfnisse oder auch als Wünsche in jedem Menschen:
- Der Wunsch nach Orientierung
- Der Wunsch nach dem Wesentlichen
- Der Wunsch nach Transzendenz
- Der Wunsch nach Eigenständigkeit
- Der Wunsch nach Klarheit
- Der Wunsch nach Verbundenheit
- Der Wunsch nach Neuausrichtung
- Der Wunsch, aktiv zu sein
- Der Wunsch nach Ordnung
Allerdings gibt es dabei stets ein dominierendes Bedürfnis – den Wesenskern – der uns als Persönlichkeit maßgeblich prägt. Kommen wir unserem Wesenskern auf die Schliche und erheben ihn zum Maßstab in unserem Leben, dann leben wir auf. Dann werden wir aktiv und schöpferisch. Der Wesenskern ist der Quell unserer Lebenskraft. Dabei gebrauchen wir die anderen Wesen, um unseren Wesenskern zu einem Ausdruck zu bringen. In ihrem Zusammenspiel prägt der Wesenskern und die einzelnen Wesen unsere Persönlichkeit. Wir können es als Sinn unseres Lebens betrachten, unser Wesen zu erkennen und in unseren Aufgaben zu verwirklichen. So geben wir unserem Leben einen Inhalt. Wir wissen, was uns als Mensch ausmacht. Was wir in unserem Leben zu einem Ausdruck bringen wollen. Wir werden eigenständig, frei und gleichzeitig aktiv. Denn wir wissen, wie wir unser Sein in unseren Aufgaben verwirklichen können.
Dabei ist der Wesenskern individuell verschieden. Der eine Mensch lebt auf, wenn er etwas gestalten kann, der nächste möchte etwas vermitteln, Entscheidungen herbeiführen, sich eine Übersicht verschaffen und so weiter.
Die neun Grundwesen sind universell. Sie prägen das Leben auf dieser Erde. Sie prägen die Tiere, die Pflanzen und uns Menschen. Wir können den Wesenskern auch in unseren täglichen Situationen erkennen, in unseren Gesprächen und Aufgaben. Er zeigt uns auf, was für uns in einer Situation das Wesentliche ist und wie wir es zu einer Lösung bringen können.
Wir werden zu Gestaltern
Indem wir das Wesentliche erkennen, öffnet sich ein gestalterischer Raum. Denn dann wissen wir, was eine Situation erfordert und können unser Handeln gezielt danach ausrichten. Dabei brauchen wir die Unterstützung der Mitmenschen. Indem wir uns auf unseren Wesenskern spezialisieren, schaffen wir eine Brücke ins Miteinander. Erst im konstruktiven Miteinander mit Menschen mit unterschiedlichen Wesenskernen, können wir Lösungen entwickeln, die unserem Leben eine bereichernde Fülle geben.
Bei dem Vorgehen können wir uns von einem Veränderungsprozess leiten lassen:

Der Prozess besteht aus 10 Schritten. In der Abbildung erstreckt er sich aus dem Inneren der Spirale, aus der Enge der Anfangssituation hinaus in die Weite der neu gestalten Situation. Dabei ist der Prozess in 5 Phasen unterteilt, die durch die Rauten in der Spirale voneinander getrennt sind. Jede der Phasen ist mit einer führenden Frage verknüpft, die in dem Zusammenspiel der zugehörigen Prozessschritte zu einer Antwort geführt werden.
Das Wesentliche ist verborgen
Doch wollen wir das Wesentliche in unserem Leben erkennen, es uns bewusst machen und unser Leben gezielt danach ausrichten, dann stellen wir fest: die Sache ist gar nicht so einfach. Denn das Wesentliche unseres Menschseins wird überschattet durch all unser Wissen, durch all unsere Vorstellungen und unserem Intellekt – also von all unseren eigenen Ansichten, wie wir meinen, dass eine Situation, dass unser Leben zu gestalten sei. Doch diese Eigenschaften prägen unser Verhalten nur vordergründig.
Dagegen wirkt das Wesentliche aus der Tiefe unseres Innern, es ist die Kraft, die hinter unseren ganzen Meinungen und Ansichten steht. Doch wir kennen das Wesentliche meistens gar nicht. Und deshalb können wir ihm auch gar nicht bewusst den Raum geben, sich zu entfalten und frei wirken zu können. Denn das Wesentliche wirkt im Verborgenen. Im Stillen. Und so ist durchaus ein gewisser detektivischer Spürsinn erforderlich, um das Wesen eines Menschen oder einer Situation herauszufinden.
Die enge Pforte
Die Suche nach dem Wesentliche ist wie eine enge, versteckte Pforte, die wir abseits der ausgetretenen Pfade aufspüren wollen. Sie liegt abseits der breiten Wege. Doch der breite Weg ist bequem, populär. Allerdings führt er die Menschen in die Irre. Denn wir sind verhaftet in unseren üblichen Vorstellungen und Meinungen, die wir uns über die Dinge machen. Unablässig sind wir am Wettern und Schimpfen, wir erheben Vorwürfe, streiten, demonstrieren und kämpfen. Wir verausgaben uns, es entsteht viel heiße Luft, doch letztlich nutzt das alles nichts.
Stattdessen haben wir uns zu fragen: Was wollen wir eigentlich in der Situation? Was ist das Wesentliche? Und weiter: Wie schaffen wir für das Wesentliche eine gute Lösung? Das ist die enge Pforte. Sie aufzusuchen und im Weiteren den schmalen Weg zu beschreiten, erfordert Mut, Ausdauer, Disziplin, Entbehrungen, Engagement und bewusste Entscheidungen. Auf dem schmalen Weg lassen wir die ausgetretenen Pfade hinter uns. Stattdessen suchen wir neue Wege, abseits des Gewohnten, die wirklich zukunftsfähig sind. Und die Mühe lohnt sich. Als Ziel wartet ein erfülltes Leben auf uns.

Fazit
In diesem Artikel habe ich Ihnen ein Vorgehen vorgestellt, wie Sie den schmalen Weg für sich beschreiten können. Sie haben neun Grundwesenheiten kennengelernt, die als universelle Eigenschaften das Leben auf dieser Erde prägen. Finden Sie Ihren Wesenskern heraus! Greifen Sie den Veränderungsprozess auf, um in einem konstruktiven Miteinander unsere Zukunft attraktiv mit zu gestalten. Die Zeit drängt! Doch zur Warnung sei gesagt:
„Ringt danach, durch die enge Tür einzugehen;
denn viele, sage ich euch,
werden einzugehen suchen und es nicht vermögen.“
(Lukas 13,24).
Zur weiteren Lektüre:
- Sei kein Fisch, der auf einen Baum klettert
- Der Sinn des Lebens
- Erkenne Dich selbst!
- Der Veränderungsprozess
- Eine Kultur des bewussten Seins
